Praxen der Transformation

Manchmal genügt auch eine Behauptung. Nicht weil sie laut ist, sondern weil sie Bilder erzeugt, die zum Handeln anregen. Demo Working Group versteht Architektur als Möglichkeitsraum und Experimentierfläche: eine Praxis, die reale Bauaufgaben untersucht, Hypothesen formuliert, Modelle entwickelt und neue Perspektiven eröffnet.
In einem Umfeld, das oft von Effizienz, Neubau und Rendite bestimmt wird, wird Architektur zum Schauplatz konkurrierender Erwartungen und muss sich in wirtschaftlichen, politischen, sozialen und ökologischen Spannungsfeldern behaupten. Die Frage nach Veränderung wird unter diesen Bedingungen dringlich. Demo widersetzt sich Verlust-Rhetoriken und setzt auf produktive Narrative: Der Bestand ist Ressource und Architektur dient als politisches Werkzeug im Umgang mit gebauter Realität. Die Demo Working Group wurde 2020 von Matthias Hoffmann, Tim Panzer und Thorsten Pofahl gegründet. Ihre Haltung zeigt sich weniger als Manifest, sondern als konkrete Arbeitsweise. Sie beginnt im Konkreten: bei Gebäuden, Normen, Budgets, Eigentumsverhältnissen. Dabei beansprucht nicht jedes Projekt dieselbe Agenda, vielmehr ist entscheidend, pro Aufgabe einen realistischen Spielraum zu identifizieren, sei es Holzbau unter hohem Effizienzdruck, Wiederverwendung von Bauteilen oder radikale Flächenreduktion als Antwort auf Bodenknappheit und hohe Grundstückspreise. Jedes Projekt wird zum Lernort, in dem sich zeigen lässt, was im Rahmen bestehender Zwänge möglich ist.

Evidenz statt Abriss
Wie die Arbeitsweise funktioniert, zeigt eine Studie zum Justizzentrum Köln. Sie ist eine Reaktion auf die Auslobung des städtebaulichen Wettbewerbs für einen Neubau im Jahr 2022. Der geplante Abriss wurde vom Land mit den üblichen Alterskrankheiten bestehender Strukturen begründet. Demo reagierte mit einer Gegenposition. Nicht durch Aktivismus, sondern durch architektonische Argumente. Ausgangspunkt waren frei zugängliche Daten: Fluchtwegdiagramme, Satellitenbilder, Scandaten. Daraus entsteht eine abstrahierte Rohbaustruktur als plausibles, wenn auch nicht identisches Abbild. Aus der Behauptung „dieser Bau ist transformierbar“ wurden Pläne, Axonometrien, Perspektiven. Und aus den Bildern entstand eine lokale Debatte über den Fachdiskurs hinaus. Die Studie widerspricht dem ökonomischen Reflex des Abrisses, sie macht sichtbar, dass Werte nicht nur im neuen Material, sondern im bereits Gebauten liegen. Der hässliche Klotz wird zur Ressource. Zugleich erinnert sie an ein oft unterschätztes Potenzial: Architekt: innen verfügen über die Möglichkeit, Zukünfte zu verbildlichen, sie schaffen Entwurfsbilder, die ohne Vorwissen lesbar sind. Die Studie macht sich diese Toolbox wieder bewusst. Andere Akteur:innen aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft können daran anknüpfen. Architektur liefert das visuelle Vokabular, das verhandlungsfähig macht. . .
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