(P)REVIEW

Welche Ideen prägen Architektur, Design und Stadtentwicklung von morgen? Unsere aktuellen Empfehlungen führen nach Wien, Basel, Tallinn und Oslo - zu wegweisenden Ausstellungen, Filmen und Festivals, die den Umgang mit Bestand, Ressourcen und gesellschaftlicher Verantwortung neu verhandeln.
Jubiläumsausstellung: 25 Jahre MuseumsQuartier
Was heute als selbstverständlicher Bestandteil des Wiener Stadtlebens gilt, war jahrzehntelang heftig umstritten. Zum 25-jährigen Jubiläum des Kulturareals erinnert die Ausstellung „Vision und Widerstand – Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ im MQ Freiraum an die konfliktreiche Entstehungsgeschichte des Ortes. Anhand von Architekturmodellen, Plänen und historischen Dokumenten wird nachvollziehbar, wie aus einem barocken Hofstallungskomplex eines der größten Kunst- und Kulturareale der Welt wurde – und wie nah das Projekt (mehrfach) am Scheitern war. Im Mittelpunkt steht dabei auch der nie realisierte Leseturm von Ortner & Ortner, der die Debatten über Jahrzehnte symbolisierte. Doch die vielen Dynamiken bleiben auch heute noch aktuell: Das MQ begreift sich selbst nicht als fertiges Projekt, sondern als ein Areal, das sich stetig verändert. Der Katalog zur Jubiläumsausstellung ist im Czernin Verlag erschienen.

Dokumentarfilm über eine Pionierin der Nachhaltigkeit: Barbara Buser
Barbara Buser Abreißen oder weiterbauen? Die Basler Architektin Barbara Buser hat diese Frage für sich längst beantwortet. Seit Jahrzehnten rettet sie Gebäude vor dem Abbruch und verwandelt brachliegende Industrieareale in lebendige Stadtquartiere. Im Mittelpunkt stehen dabei wiederverwendetes Baumaterial und ein konsequent kreislaufwirtschaftlicher Ansatz. Ein Dokumentarfilm porträtiert nun die Architektin: Er zeigt, wie Buser arbeitet und warum ihre Praxis, die unter anderem durch Erfahrungen in Tansania geprägt ist, weit über individuelle Projekte hinausweist. In einer Zeit, in der der Bausektor für rund 30 Prozent der CO₂-Emissionen der Schweiz verantwortlich ist, ist ihr Ansatz kein Randthema, sondern eine klare Notwendigkeit.

20 Jahre VIENNA DESIGN WEEK
50 Orte, freier Eintritt: Die VIENNA DESIGN WEEK hat sich seit ihrer Gründung zu einem der prägenden Designfestivals Europas entwickelt. Die Jubiläumsausgabe präsentiert sich mit rund 200 Veranstaltungen und einem Programm, das Design als gesellschaftliche Praxis begreift. Neben Ausstellungen, Workshops und Interventionen zu Themen wie Kreislaufwirtschaft, Social Design und Architektur bildet eine Retrospektive den Kern des Jubiläumsprogramms. Die diesjährige Zentrale des Festivals befindet sich im Bürohochhaus am Hietzinger Kai 101, der einst von Harry Glück geplant wurde.

How Much?
Die 8. Tallinn Architecture Biennale (TAB) widmet sich dem brisanten Verhältnis von Kosten, Wert und Raumproduktion. Das Kurationsteam um das estnische Büro Stuudio TÄNA sowie Mark Aleksander Fischer und Mira Samonig fragt unter dem Leittitel „How Much?“, wie Budgetgrenzen und Sparzwänge nicht als Hindernis, sondern als Chance für neue architektonische Qualitäten verstanden werden können. Die Biennale dekonstruiert dabei die Illusion der „Billigkeit“: Was heute rein finanziell günstig erscheint, birgt oft hohe soziale und ökologische Langzeitkosten. Durch Ausstellungen und Symposien fordert die TAB 2026 dazu auf, Architektur jenseits reiner Excel-Logik neu zu bewerten und Erschwinglichkeit mit echter gesellschaftlicher Verantwortung zu vereinen.

What if Nature Comes First?
Die 9. Oslo-Architektur-Triennale stellt mit ihrem Leitthema eine der drängendsten Fragen der Gegenwart. Unter Chefkuratorin Line Ramstad untersucht das Festival, wie sich unsere gebaute Umwelt innerhalb planetarer Grenzen neu denken lässt. Angesichts einer Bauindustrie, die weltweit für ein Drittel des Abfalls verantwortlich ist, fordert die Triennale einen radikalen Paradigmenwechsel: Fokus auf echten Wert statt auf den reinen Marktpreis. Entlang der vier Maßstäbe Materialien, Strukturen, Territorien und Systeme werden konkrete Lösungsansätze debattiert. Als Hauptveranstaltungsort dient die Sofienberg-Kirche, die aktuell eine Transformation zum Kulturhub durchläuft und intelligenten Umgang mit Bestand physisch erfahrbar macht

