Schulwege in die Zukunft

Paris zeigt, wie mit offenen Plätzen, Baumpflanzungen und Schulstraßen nicht nur Flächen, sondern auch das urbane Miteinander neu gestaltet werden. Mit Projekten wie „Rues aux écoles“ verwandelt die Stadt Straßen vor Schulen in grüne, sichere Begegnungsräume und setzt damit ein progressives Zeichen: Stadt ist veränderbar!
Ein auf die junge, vulnerable Bevölkerungsgruppe ausgerichteter Ansatz macht Entsiegelung zur Bildungsfrage und zum Symbol eines neuen Stadtverständnisses: Stadt als lebendiger Organismus, der atmet, wächst und Beziehungen pflegt. Dabei sind Mut, Tempo und Vertrauen die wahren Werkzeuge des Wandels, der eine zukunftsfähige Stadtgestaltung ermöglicht. Auch in Wien lässt sich mit der Initiative „Raus aus dem Asphalt“ ein ähnlicher Trend beobachten. Die täglichen Wege der Jüngsten werden so zu Lernwegen für eine ganze Gesellschaft. Denn wer Kinder erreicht, gewinnt Familien, Nachbarschaften oder sogar ganze Viertel für sich – politisch wie kulturell ein kluger Schachzug.

© Christophe Belin Ville de Paris
Paris als Labor: Rues aux écoles
Die Kinder fahren mit ihren Tretrollern im eigenen Tempo über bunte Straßenmarkierungen und begegnen bei einer sanften Brise unter einem grünen Blätterdach ihren Freund:innen und Familien – eine neue Form des Alltags in der Rue de l’Arbalète im fünften Pariser Arrondissement. Als verkehrsberuhigte Straße mit weniger Lärm und einer fairen Flächenaufteilung stärkt sie das soziale Miteinander. Damit ist sie eine von über 300 Schulstraßen („Rues aux écoles“), die in Paris seit 2019 entstehen. Die amtierende Bürgermeisterin Anne Hidalgo verabschiedet sich vom Prinzip der „tout-voiture“ – der autogerechten Stadt – und definiert den öffentlichen Raum neu. Dabei geht es um Maßnahmen, die für mehr stehen als nur für Verkehrsberuhigung und Begrünung: Sie markieren eine soziale Transformation. Straßen werden zu Lebensräumen, zu Treffpunkten, zu Orten der Begegnung, wo auch ein einfaches „Bonjour“ wieder selbstverständlich ist und sich die Jüngsten frei bewegen können. Vorsicht und Zurückhaltung sind Geschichte, Stadtraum ist bunt und gehört allen gleichermaßen. Die kindliche Perspektive wird zunehmend als Ressource für Stadtentwicklung erkannt und in Paris in großem Maßstab umgesetzt.
Kinderperspektiven: DOCK for Change
In diese kindliche Gedankenwelt taucht das Kinderbüro der Universität Wien mit dem Projekt „DOCK for Change“ ein: Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen werden seit 2022 Ideen für eine klimafreundliche Zukunft erarbeitet und sichtbar gemacht. Sie zeigen ein Stadtbild, das von Gemeinschaft, Bewegungsfreiheit und Rücksicht geprägt ist – mit Platz für Menschen, Tiere und Natur, ohne Luftverschmutzung, dafür mit Begrünung und intelligenten Recycling- oder Energielösungen. Diese Visionen decken sich mit den zentralen Themen zeitgenössischer Stadtentwicklung. . .
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