17. Internationale Architekturbiennale

Sounding Board: Sechs Statements

Wie kommen die Botschaften der Architekturbiennale im internationalen Architekturdiskurs an? Wir baten sechs prominente ArchitektInnen und TheoretikerInnen um ihre Eindrücke.

Hier folgt ein Auszug:

Jana Revedin, 
Besser durch Weniger

„Sie lieben Paradoxe? Ich sehr. Wie kann man aus der schönsten Stadt und der ältesten und bedeutendsten Architekturbiennale der Welt mehr machen als je zuvor? Durch weniger. Reduktion ist die Antwort auf die Frage des Kurators Hashim Sarkis: “Wie werden wir zusammenleben?“ Nach der ersten Pandemie in den letzten hundert Jahren Menschheitsgeschichte hätte ich an seiner Stelle die Frage noch präzisiert: „Werden wir noch zusammenleben?“
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Die drei höchsten Qualitäten von Lebensraum sind in Venedig präsent: Langsamkeit, Stille, Interaktion.
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Interaktion, im US-Pavillon dürfen wir himmelhoch klettern und die Biennale Gärten serendipitätisch aus einer neuen Perspektive entdecken, „Framing“ erklärt uns den Bau der Neuen Welt dank einer simplen proto-industriellen Erfindung, der Sägemaschine. ...“




Klaus K. Loenhart, 
In planetarer Verwobenheit zusammen leben

„Sehr wohl lassen sich auch Beispiele für unser künftiges Dasein entdecken, die sich bereits im gesellschaftlichen Kontext beweisen. Leise und mit feiner Hand gestaltet, verinnerlicht sich beispielsweise im Entwurf des Architekten Manuel Herz mit dem Krankenhaus im Senegal eine „Emerging Community“ im Zusammenspiel von Mikroklima, sozialer Praxis und lokalen Ressourcen. ...“

American Framing - the US pavilion, curated by Paul Anderesen and Paul Preissner © Roland Halbe

American Framing - the US pavilion, curated by Paul Anderesen and Paul Preissner © Roland Halbe


Bart Lootsma,
Der öffentliche Raum als Konfliktzone

„Man spürt, dass die Ausstellung mit einem Jahr Verspätung stattfindet. Themen, die im vergangenen Jahr so wichtig geworden sind wie die Pandemie und die Diskriminierung, spielen keine Rolle, obwohl sie mit der Fragestellung der Biennale zu tun haben. 
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Innenräume als Hintergrund sind im täglichen Leben wichtiger geworden als Fassaden oder allgemeine architektonische Formen oder Strukturen. „Black Lives Matter“ und die explosiv wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sind in Architektur und Stadtplanung im letzten Jahr noch sichtbarer geworden.
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Der öffentliche Raum ist zunehmend der Raum, wo Konflikte ausgetragen werden. ...“




Heike Hanada, 
Kein Bauen für die Ewigkeit

„Am Überzeugendsten empfand ich den japanischen Beitrag. 
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Entwurf Manuel Herz, Tambacounda Hospital, Biennale architettura 2021

Entwurf Manuel Herz, Tambacounda Hospital, Biennale architettura 2021

Co-ownership of Action: Trajectories of Elements in the Japanese pavilion by Kozo Kadowaki, Jo Nagasaka and Ryoko Iwase © Matthias Boeckl

Co-ownership of Action: Trajectories of Elements in the Japanese pavilion by Kozo Kadowaki, Jo Nagasaka and Ryoko Iwase © Matthias Boeckl

Die Idee, für 100 Jahre oder gar zeitlos zu bauen, ist den Japanern im Grunde wesensfremd. Zu sehr haben Naturgewalten jahrhundertelang immer wieder ganze Häuser und Ortschaften zerstört, so dass sich der Mensch diesen Prozessen letztendlich gebeugt hat. ...“

Kristien Ring,
Globale Gemeinwohl-Konzepte

„Ich fand mich im Arsenale in einem wunderschön gestalteten Holzpavillon wieder. Einladende Lamellenpanelle öffnen sich nach außen. Die Bodenfläche, die sich als großer Dachüberstand noch weiter ausdehnt, bildet einen Ort des Innehaltens, des Ankommens, des Nachdenkens, des Beobachtens oder des Zusammensitzens. Ein Raum, der zwischen Innen und Außen, zwischen Privatem und Öffentlichem vermittelt. Die Struktur wurde von den Menschen einer philippinischen Gemeinde gebaut und wird nach der Biennale dorthin zurückkehren.
...“


Cino Zucchi,
Laute Statements und stille Utopien

„In den Winkeln dieses großen, alle zwei Jahre stattfindenden „Freilichtmuseums für Kunstgeschichte“ verstecken sich viele kleine intellektuelle Juwelen. ...
 

Framework Collaborative, Structures of Mutual Support - Philippinen © Matthias Boeckl
Special Mention Awards of the 17th International Architecture Exhibition.

Da das Herz oft über das Gehirn triumphiert und die Emotionen komplexen Schlussfolgerungen zuvor kommen, gehört meine „Liebe auf den ersten Blick“ der diesjährigen Biennale am Ende dem Venezianischen Pavillon. Er wird durch die wunderschönen Handzeichnungen und Holzmodelle der süßen Mikroutopie von Michele de Lucchi und AMDL Circle präsentiert. ...“

Michele de Lucchi und AMDL Circle, Venezianischer Pavillon, Biennale 2021

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