Sozialwohnbau in Europa, quo vadis?

Social Housing in Contemporary Europe (Bildquelle: www.unibz.it)

Morgen beginnt am Bozner Campus die Tagung Reshape, die den Sozialwohnbau in Europa unter die Lupe nimmt. Verglichen werden von den 40 Experten aus 14 Ländern nationale und lokale Interventionsmodelle und mögliche Lösungen für das vielfach akute Wohnungsproblem. Reshape wird von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften vom 19.-21. April organisiert.

 

Die Tagung „Sozialer Wohnungsbau im heutigen Europa“ ist die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts RESHAPE (Redesigning Social Housing against Poverty in Europe, also eine Neuausrichtung des Sozialwohnbaus gegen die Armut in Europa AdR), organisiert von Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und koordiniert von Prof. Dimitri Boreiko und Teresio Poggio.

 

Vierzig Experten aus 14 Ländern diskutieren dabei das Thema aus den verschiedenen Blickwinkeln, vom Sozialwohnbau bis hin zu politischen Aspekten. Welches sind die wichtigsten Interventionsmodelle in Europa? Worin liegen die Herausforderungen der Nachhaltigkeit – auf finanzieller, sozialer und politischer Ebene sowie aus Sicht des Umweltschutzes, die es allesamt zu beachten gilt? Welches sind die Auswirkungen der Krise, die sowohl Privathaushalte als auch den öffentlichen Wohnbau betreffen? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich die Referenten in den kommenden drei Tage auseinander.

 

Focus 1: Die Auswirkungen der Krise

In vielen europäischen Ländern hat die Krise die ökonomische Situation der Familien belastet - die Wohnungsfrage hat sich gegenüber der Vergangenheit stark zugespitzt. Demgegenüber besteht aufgrund der angespannten Situation auch von Seiten der öffentlichen Hand weniger Spielraum, den Sozialwohnbau voranzutreiben. Die Konferenz vergleicht die Situation in verschiedenen europäischen Ländern.

 

Focus 2: Stellt das Eigenheim in Italien und Südeuropa wirklich die Lösung dar?

Italien hat wie viele südeuropäische Länder verstärkt das Eigenheim als Alternative zum sozialen Wohnbau bzw. zu geförderten Mietverträgen propagiert. Aber ist das Eigenheim wirklich für alle gleichermaßen geeignet? Könnte es nicht eine bessere Lösung darstellen, einen niederen Mietzins für einkommensschwache Familien einzuführen, um sie nicht in die Überschuldung durch den Wohnungskauf zu treiben? Was bedeutet es, wenn selbst junge Menschen im Alter von 30 Jahren immer noch daheim bei den Eltern wohnen müssen? Ein runder Tisch beleuchtet die Situation in Italien, Portugal und Spanien.

 

Focus 3: Die Zukunft des Sozialwohnbaus in Italien

Das Bedürfnis nach sozialer Absicherung durch ein Eigenheim ist in Italien stark ausgeprägt: Man geht derzeit von über 50.000 Obdachlosen aus, über 600.000 Familien sind in den Ranglisten für den Sozialwohnbau gelistet. Mit der Krise hat sich das Problem nochmals verschärft, viele sind mit ihren Krediten säumig – dem folgen Zwangsräumungen. In diesem Zusammenhang diskutieren die Experten, wohin der Weg für den Sozialwohnbau in Italien hinführt – ein Sektor, der nur 4% der gesamten Erstwohnungen ausmacht, ungleich vielen anderen Ländern. In Italien fehlt für Neubauten schlichtweg das Geld, da bestehende Wohnungen auch erhalten werden müssen. Das integrierte System mit öffentlichen und privaten Investoren trägt erste Früchte, aber es sind nicht die Bedürftigsten, welche die Wohnungen erhalten. Die vielen Aspekte werden auf dem Kongress Reshape verglichen und diskutiert.