Stadtspeicher

(c) Sarah Hammer

Ort:  Linz
Themen:  Urbanität

Stadtspeicher

Ein kollektiv entwickeltes städtebauliches Projekt an der Donau in Linz

 

Eröffnung: Dienstag, 06.11.2018, 18:00

Projektdauer: 06.11.–16.11.2018 (täglich geöffnet von 16:00–20:00)

Die Ausstellung wird von Bürgermeister Luger eröffnet.

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Die kulturtankstelle präsentiert in der Waschstrasse das städtebauliche Forschungsprojekt „Stadtspeicher“ - ein Projekt für ein neues Stadtquartier an der Donau, das zur Gänze aus Ziegel gedacht ist. STADTSPEICHER ist ein kollektiv entwickeltes, spekulatives Projekt von Architekturstudierenden der Kunstuniversität Linz und wurde als Kooperationsprojekt zwischen der Urbanistik an der Kunstuniversität Linz und dem Verband Österreichische Ziegelwerke und Wienerberger Ziegelindustrie GmbH organisiert.

Die Architekturstudierenden starteten den Prozess mit Fragen und Diskussionen über eine mögliche zukünftige Urbanität in einer Mittelstadt wie Linz. Sie formulierten Thesen und setzten diese im städtebaulichen Entwurf für ein Stadtquartier an der Donau um. Die Ergebnisse werden neben der Ausstellung in der kulturtankstelle auch in der Publikation STADTSPEICHER präsentiert.

Was wäre, wenn Linz ein neues Stadtquartier direkt an der Donau bekäme? Eine Speicherstadt á la Hamburg, die nun nicht Waren speichert, sondern urbane Programme?

Der Begriff Urbanität ist zentral für die Stadtplanung. Er beschreibt eine Qualität des Städtischen, die entweder vorhanden ist (im Laufe der Zeit entstanden) oder erreicht werden soll (im neuen Quartier, in der artifiziellen Stadt). Urbanität entsteht immer dann, so These Nr. 1, wenn Unterschiede aufeinanderprallen, also eine räumliche und programmatische Dichte erzeugt wird, großvolumige Gebäude auf Offenheit treffen, Stadt und Natur sich mit Industrie vermischen und Leerräume für mögliche Nutzungen zur Verfügung gestellt werden. So entstand die Idee für ein fiktives Stadtquartier in Linz, das direkt mit dem Wasser verbunden wäre und ähnliche Qualitäten und Merkmale aufweisen würde, wie sie etwa die Speicherstadt in Hamburg zeigt: großvolumige Ziegelbauten, dicht aneinandergebaut, mit direktem Zugang zum Wasser; Leerräume, die vielfach nutzbar sind. Linz könnte durch ein solches Quartier, so das Argument, ein urbanes Moment am Wasser erhalten, eine Speicherstadt, die nun nicht Waren speichert, sondern urbane Programme. Ein STADTSPEICHER könnte entstehen, eine Struktur, die von sich heraus Urbanität erzeugt. Ein Quartier, zur Gänze in Ziegel gebaut,
wo Boote statt Autos fahren. Wo der Wind zwischen Hafen und Donau bläst, maximale Wohnqualität besteht und Raum für neue Gesellschaften zur Verfügung steht. Urbanität, so These Nr. 2, stellt sich auch ein, wenn Ziegel und Wasser miteinander in Verbindung treten. Die Formel könnte also lauten: Ziegel + Wasser = Urbanität.

Der Städtebau

Als fiktiver Bauplatz für das neue Ziegel-Quartier wurde eine langgezogene, spitz zulaufende Landzunge im Linzer Hafen gewählt. Sie ist direkt angebunden über ein stillgelegtes Schienensystem, das wieder aktiviert werden könnte, ist etwa 100m breit und über 700m lang. Die Landzunge sieht mit einer Langseite nach Nordosten in Richtung Donau und der anderen nach Südwesten in Richtung Hafenbecken. In ihrem Zuschnitt sieht das Areal aus wie ein kleines Manhattan − so viel zur Assoziation von Urbanität − selbst einen Flughafen gibt es hier, wenn auch nur für Modellflugzeuge. Ein Damm in Längsrichtung schützt den Hafen vor Hochwasser und bildet auf dem sonst flachen Gelände eine interessante Topografie aus. Auf dem Areal, so die Vorgabe, sollte ein Quartier für mindestens 4000 Personen geplant werden, mit zukunftsfähigen Wohnungen, zeitgemäßen Arbeitsstätten und Folgeeinrichtungen wie Geschäfts- und Marktflächen, Kultur, Bildung und mehr.

Der Stadtplan entstand diskursiv unter allen Projektbeteiligten. Neun Felder (sechs in Richtung Donau, drei in Richtung Hafen) werden durch einen breiten, geknickt verlaufenden Boulevard geteilt. An der Donau wird ein zentraler Hafen für große Schiffe angeordnet, in Richtung Hafenbecken sind es Vaporetto-Stationen, die eine neue Mobilität am Wasser nach Linz bringen sollen. Jedes Feld im autofreien Quartier sollte als eine eigene, individuelle
Struktur entwickelt werden. Allen gemein ist: Das unterste, höhere Geschoss soll als Speicher konzipiert werden. Hier ist mit Hochwasser zu rechnen, die Räume müssen also eine Überflutung aushalten. Im übertragenen Sinn sollen diese Räume urbane Funktionen „speichern“. Als Dichtvorgabe wurde eine GFZ von etwa 2,0 vorgegeben, davon 30% Speicherfunktionen und 70% Wohnfunktionen. Entlang der Donauseite führt eine Promenade, in Richtung Hafen öffnen sich Wege zu einem großen Platz und die Spitze der Landzunge, so die kollektive Entscheidung, sollte leer bleiben.

Wäre nun, in dem neuen Quartier Stadtspeicher Urbanität garantiert? Natürlich nicht, Garantie gibt es nie, aber die Chancen stehen gut. Denn Stadt wäre hier sehr dicht, kleinteilig und großzügig zugleich, hätte beeindruckende Silhouetten bei guter Maßstäblichkeit und wäre voller überraschender Momente, was letztlich auch den Ziegeln und deren Farbspektren zu verdanken wäre.

Mit Projekten von Mario Buchberger, Jenny Huynh-Minh, Olivia Kudlich, Milomir Milenkovic, Pauline Pascal, Aleksandra Radanovic, Julien Reinhart, Sarah Schoberleitner, Anne Rotter, Elisa Bischof, Anne Louise Giraud, Julia Raffel, Julian Stepper, Benedict Hofmann, Vinzent Wallner, Patrick Schauer, Merve Tasdelen, Lu Zhijun.

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Betreuung: Sabine Pollak, Sara Hammer, Frank Schwenk, Norbert Prommer

Adresse: Kulturtankstelle, Dametzstraße 144, 4020 Linz 

Zur Ausstellung erscheint das Buch: STADTSPEICHER. Urbanität am Wasser
Sonderzahl, Reihe Linzer Augen, Band 12 : art special
ISBN 978 3 85449521 5

 

(Quelle: Pressemeldung Wienerberger / Kulturtankstelle)