Textildesign mit Nina Dorfer

Mit dem Aufkommen der Moderne und der Demokratisierung des Designs sind Textilien im Interior Design zunehmend in den Hintergrund getreten. Klare Linien und glatte, weiße Oberflächen haben sich durchgesetzt und prägen bis heute den vorherrschenden Geschmack sowie das Schaffen der Innenarchitekt: innen. Ausnahmen finden sich in der Luxusbranche. Muss das so sein? Nina Dorfer ist anderer Meinung.
Stoffe und Oberflächenveredelungen werden oft als nebensächliches Detail oder als letzter Schritt eines Einrichtungsprojekts betrachtet. Laut der oberösterreichischen Textildesignerin sind sie der Schlüssel zu einem Interieur mit Tiefe, Charakter und unverwechselbarer Identität. „Ein Einrichtungsprojekt ohne Moodboard ist wie Kochen ohne Rezept. Es gibt Regeln, denen man folgen kann – oder die man bewusst bricht. Das eigene Zuhause ist eine Erweiterung der Persönlichkeit. Warum sollte man sich also nicht gestalterisch austoben?“ Wärme, Geborgenheit, Spannung oder Minimalismus entstehen nicht durch die bloße An- oder Abwesenheit von Möbeln und Texturen, sondern durch den gekonnten Einsatz von Materialien und Oberflächen. Jedes Material trägt seine eigene emotionale Temperatur in sich: Viskose, Seide, Chrom und Glas wirken leicht und kühl, während Wolle, Alpaka, Holz, Keramik und Bronze Räumen Wärme, Charakter und Behaglichkeit verleihen.

Von 0815-Lösungen wegkommen
„Alles ist weiß und glatt, vor allem in Deutschland und Österreich“, stellt Nina Dorfer fest und betont, dass Atmosphäre sich mit ganz einfachen Mitteln erzeugen lässt. Das ist nicht unbedingt eine Budgetfrage. „In einer Wohnung gibt es unzählige Möglichkeiten, Textur und Sinnlichkeit zu integrieren; großzügige Teppiche, Vorhänge, gepolsterte Bettrückwände oder strukturierte Tapeten generieren nicht nur visuelle Tiefe, sondern auch haptische Erlebnisse.“ Es geht schließlich nicht nur um das Sehen, sondern darum, Atmosphäre zu schaffen. „Die wird spannender, wenn unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen und Kontraste erzeugen: wenn kühles Chrom mit warmem Holz und einem flauschigen Pouf kombiniert oder ein Teppich neben einer Konsole mit gekerbter Oberfläche platziert wird.“ Für Nina Dorfer zählen Texturen mehr als Farben, weil sie subtiler sind und ertastet werden können. „Wenn statt Weiß Hellgrau, Silber und Beige verwendet werden, sieht das aufgewerteter und persönlicher aus, insbesondere wenn die Texturen unterschiedlich sind – wie eine versteckte Welt.“ Während sie in ihrem Atelier in Paris mit der Hand sanft über die auf einem großen Tisch ausgebreiteten Stoffe streicht, stellt sie fest: „Heute wird alles online gemacht und gekauft. Das Spüren ist im Alltag verloren gegangen. . .
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