Balance zwischen Tradition und Innovation

Tirolerhaus reloaded: das Hotel Schgaguler in Kastelruth

Hotel Schgaguler © Oskar Da Riz

Das Hotel Schgaguler in dem landschaftlich prachtvoll am Fuß der Seiser Alm gelegenen Kastelruth sah bis vor kurzem so aus wie die meisten der Tourismusarchitekturen rundum. Bis es von Peter Pichler als raffinierte Neuinterpretation der traditionellen Typologie komplett neu erfunden wurde.


Kastelruth ist im Sommer wie im Winter eine beliebte Urlaubsdestination. Niedergeschlagen hat sich das in zahlreichen, in einem klischeebehafteten „Tirolerstil“ errichteten Tourismusarchitekturen. So auch bei dem vor rund 80 Jahren als Appartementhaus errichteten, immer wieder umgebauten „Schgaguler“. Vor fünf Jahren traf die Besitzerfamilie dann den Entschluss, das Haus einem komplexen Umbau zu unterziehen und zukünftig als Hotel zu führen. Als guter Freund der Familie wurde Peter Pichler mit seinem Büro in Mailand neben fünf weiteren Südtiroler Architekten zu einem Ideenwettbewerb eingeladen, aus dem Pichler als eindeutiger Sieger hervorgegangen ist.

Hotel Schgaguler Interior © Oskar Da Riz

Hotel Schgaguler Interior © Oskar Da Riz

War er doch der einzige, der in seinem Entwurf, besonders in der Wahl der Materialien, radikal neue Wege ging, um gleichzeitig die althergebrachte architektonische Typologie nicht aufzugeben.

Pichler nimmt die ehemalige bauliche Struktur des Hotels auf und gliedert das neue Haus in drei Monolithe, die, indem sie leicht nach vorne bzw. hinten versetzt stehen, der kleinteiligen dörflichen Struktur entsprechen. Die Fassaden zur Straße wie Richtung Süden sind – die zarte, massiv gebaute und verputzte horizontale wie vertikale Struktur ausgenommen – bis unter die Satteldächer komplett verglast. Das helle Grau des Putzes ist von der Farbe der umliegenden Dolomiten inspiriert. Da das Hotel Schgaguler an einem steil abfallenden Hang steht, zählt es straßenseitig drei Geschosse, zum Tal hin sechs. Richtung Gasse sind die massiven Fassadenelemente leicht abgeschrägt in die Kubatur hineingezogen, während sich diese Abtreppung Richtung Süden zu prächtigen Loggien weitet.

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Peter Pichler Hotel Schgaguler night © Oskar Da Riz

Peter Pichler Hotel Schgaguler night © Oskar Da Riz

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Die Metallrahmen der riesigen Fenster sind schwarz genauso wie der außenliegende Sicht- bzw. Sonnenschutz. Die Liegestühle sind weiß und zeichnen sich wie das gesamte Interieur durch schnörkellose Geradlinigkeit aus. Banale Behübschung hat hier keinen Platz, die zum größten Teil vom Architekten entworfenen Möbel sind aus Holz, die Böden in den 42 Gästezimmern aus hellgrauem Kunstharz. Die Grundrisse der Zimmer sind inklusive der Nasszellen offen. Das muss nicht jedermanns Sache sein. Von der frei im Raum stehenden weißen Badewanne aus den Blick auf die Dolomiten genießen zu können, erscheint andererseits wieder höchst verlockend.

Die Rezeption ist mit einem Tresen möbliert, der letztlich eine aus grauem Stein gehauene Skulptur ist. Von hier geht es zur Bar, die stattliche sechs Meter hoch und komplett mit unbehandeltem Kastanienholz ausgekleidet ist. Der bestehende Wellnessbereich wurde nur einem Facelifting unterzogen. Das Restaurant liegt im Teil des Bestandsbaus, der vom Umbau des Hotels im Jahre 2002 unberührt blieb, und wurde von Peter Pichler als Neuinterpretation der klassischen Tiroler Wirtshausstube eingerichtet.

www.peterpichler.eu

Peter Pichler Hotel Schgaguler Kirche © Oskar Da Riz

Peter Pichler Hotel Schgaguler Kirche © Oskar Da Riz

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