Mit dieser Frage eröffnete Autorin Angela Garbes ihr Panel „Interdependence: How we are meant to live“ mit Jonny Anstead auf der Konferenz „Start with Children“ in Bratislava. Bevor über die besten Städte für Kinder gesprochen werden kann, stellte sie damit eine grundlegendere Frage: Wie wollen wir eigentlich zusammenleben?

Text: Selina Wach


Die Antwort fällt in unserer Gesellschaft oft ernüchternd aus. Während die Geburtenrate kontinuierlich sinkt, wird Elternschaft – insbesondere Mutterschaft – noch immer als individuelle Aufgabe betrachtet, die häufig mit Isolation einhergeht. Garbes, Tochter philippinischer Migrant:innen und heute in Seattle lebend, setzt dem ein anderes Modell entgegen: das Prinzip des Bayanihan. Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff die Dorfgemeinschaft, die Wohnhäuser bei einer Überschwemmung buchstäblich an einen sicheren Ort trug. Heute steht Bayanihan für kollektive Unterstützung ohne Gegenleistung – ein Gegenentwurf zur individualisierten Fürsorgepraxis westlicher Gesellschaften. Selbst Mutter von zwei Kindern, berichtet Garbes in ihrem Buch „Essential Labor: Mothering as Social Change“, wie sie während der Pandemie gemeinsam mit ihrem Partner und den Nachbar:innen ein kleines, verlässliches Betreuungsnetzwerk aufbaute. Fürsorge wurde geteilt statt auf einzelne Schultern geladen. Daraus leitet sie eine gesellschaftliche Forderung ab: Care muss als Teil öffentlicher Infrastruktur verstanden werden – so grundlegend wie Wasser-, Energieoder Verkehrsversorgung.

Fürsorge als Planungsgrundlage

Wie würden Städte aussehen, wenn sie auf gegenseitige Unterstützung, soziale Nähe und verlässliche Netzwerke ausgelegt wären?

Genau hier setzte die Konferenz „Start with Children“ an. Sie zeigte, dass kindgerechte Städte weit mehr brauchen als Spielplätze oder sichere Schulwege. Eine Stadt, die sich um ihre Jüngsten kümmert, kümmert sich letztlich um alle. Internationale Stimmen wie Marco te Brömmelstroet, Carlos Moreno, Eva Kail oder Jan Gehl führten diesen Gedanken weiter – als soziale, planerische und politische Herausforderung. In Panels, Workshops und Stadtspaziergängen ging es um konkrete Werkzeuge, aber auch um kulturelle Vorstellungen von Care, Teilhabe und Zukunft. Organisiert vom Metropolitan Institute of Bratislava in Kooperation mit der Stadt Bratislava, inszenierte sich die Konferenz selbst als soziales Geflecht: Internationale Stimmen, lokale Institutionen und private Akteur:innen wirkten zusammen. Auch die Einbindung des tschechischen Herstellers mmcité, bekannt für seine robusten und sozial gedachten Stadtmöbel, die in Bratislava den öffentlichen Raum prägen und auch die Konferenz begleiteten, verweist darauf, dass Care nicht im Privaten endet, sondern durch Infrastrukturen, Gestaltung und geteilte Verantwortung öffentlich wirksam wird.


 

Das könnte Sie auch interessieren

Newsletter Anmeldung

Wir informieren Sie regelmäßig über Neuigkeiten zu Architektur- und Bauthemen, spannende Projekte sowie aktuelle Veranstaltungen in unserem Newsletter.

Als kleines Dankeschön für Ihre Newsletter-Anmeldung erhalten Sie kostenlos ein architektur.aktuell Special, das Sie nach Bestätigung der Anmeldung als PDF-Dokument herunterladen können.