architektur.aktuell bei Caramel

Umbau als gemeinsame Aufgabe

Mit architektur.aktuell bei Caramel startet eine neue Veranstaltungsreihe, die sich am jeweilig nächsten Heftthema orientiert. Ziel ist es, Menschen aus Praxis und Studium zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Kein klassisches Vortragsformat, sondern Austausch auf Augenhöhe, gespeist aus dem Alltag der Planung. Die Veranstaltungen finden in den neuen, umgebauten Räumlichkeiten von Caramel architektInnen statt – ein naheliegender Ort für einen Vortragsabend zum Thema Umbau.

Umbauen ist längst keine Randdisziplin mehr, sondern prägt die tägliche Praxis vieler Büros. Entsprechend unterschiedlich, aber oft doch auch deckungsgleich fielen die Perspektiven der eingeladenen Architekt:innen aus. Caramel formulierte die Problemlage pointiert: Solange Abriss und Neubau vordergründig billiger erscheinen als Sanierung, werde sich wenig ändern. Gefordert sei endlich Kostenwahrheit, etwa durch eine realistische CO2-Bepreisung. Dann würde der Wert des Bestands schlagartig sichtbar und die Ausgangslage grundlegend verschoben. Die Vorteile des Umbaus seien eigentlich längst evident. Man bewundere alte Gebäude in Hochglanzmagazinen, so Caramel, spüre ihre Qualität aber zu selten im eigenen Tun. Patina und Geschichte müssten als reale architektonische Qualitäten verstanden werden. Situationen, in denen Umbau nicht sinnvoll sei, seien schwer vorstellbar. Auch mia2 verwiesen auf strukturelle Hürden. In Österreich sei Umbauen oft komplizierter als neu zu bauen, weil Gesetze, Normen und Förderungen weiterhin vom Neubau ausgingen und den Bestand als Problem behandelten. Lange Verfahren, starre Regelwerke und überzogene Stellplatz- oder Haftungsanforderungen machten Abriss häufig zur bequemeren Option. Für Bauherr:innen liege der Mehrwert des Umbaus jedoch auf der Hand: Weiterbauen an Orten mit Geschichte, Atmosphäre und sozialer Verankerung schaffe Identität und Wert, den ein Neubau nicht liefern könne. Solange die Substanz es zulasse, sei Umbau immer sinnvoll. Problematisch werde es erst, wenn Bestände in falsche Hände gerieten. Umso mehr sei planerisches Engagement gefragt, um verborgene Potenziale sichtbar zu machen.

Offene Arbeitslandschaft in der Carage mit fließenden Übergängen, Tageslicht und viel Begrünung im Inneren.

smartvoll ergänzten diese Sicht um eine klare Forderung an die Planungskultur. Architekt:innen müssten Bestände aktiv entwickeln und vorhandene Gebäudetypen mit neuen Nutzungen zusammendenken. Einer der größten Bremsklötze sei die Widmung, vor allem in Gewerbegebieten. Gerade dort sehen smartvoll jedoch enormes Potenzial. Für die Bauherr:innenschaft spreche der Umbau dank geringeren Ressourcenverbrauchs, Nutzung bestehender Infrastruktur und räumlicher Qualitäten, die im Neubau oft nicht leistbar seien. Entgegen gängigen Annahmen seien Umbauten zudem häufig schneller und günstiger. Mit Mut und Leidenschaft, so ihr Fazit, lasse sich letztlich alles umbauen. Am ersten Abend bei architektur.aktuell bei Caramel wurde schnell klar: Umbau gilt es nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall zu diskutieren. Offen und nah an der Realität der Praxis.

Carage von Caramel

Der Umbau des neuen Büros von Caramel architektInnen stand klarerweise im Mittelpunkt ihres Vortrages und machte deutlich, wie konsequent das Büro Fragen des Weiterbauens auf die eigene Arbeitsumgebung anwendet. Ausgangspunkt ist ein unscheinbarer Hinterhofraum mit langer Geschichte. Einst Garage, Werkstatt, Kutschenlager und Stallung, später ein Ersatzneubau aus den 1930er-Jahren, wo Autos gelagert wurden: ein Raum, der über Jahrzehnte dem Verkehr diente und dabei stets im Hintergrund blieb. Prägend für den Bestand ist das Tonnengewölbe mit rund sechs Metern lichter Höhe und drei großzügigen Oberlichten. Die zentrale Aufgabe bestand darin, aus diesem leeren Volumen eine zeitgemäße Arbeitswelt zu entwickeln, ohne den Raum zu überformen. Die Planung begann daher nicht gleich mit dem Entwurf, sondern mit Fragen: Wo wird gearbeitet, wo diskutiert, wo konzentriert gedacht oder gemeinsam gegessen?. . .

 

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Der ganzen Beitrag gibt es in unserer neuen Ausgabe von architektur.aktuell 1-2/2026 zu lesen.

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