Unifokus

Die Wiener Südosttangente ist Österreichs meistbefahrene Straße und allseits bekannt durch ihre unzähligen Staumeldungen im Radio. Noch. Denn was passiert, wenn diese riesige Infrastruktur in einer (verkehrsverbesserten) Zukunft nicht mehr nur den Autos dient? Über 350 Studierende von Hochbau 2 an der Technischen Universität Wien befassten sich unter der Leitung von Dietmar Feichtinger mit dieser Frage.
Großmaßstäbliche Verkehrsbauwerke waren der Stolz jeder Stadt in einer Zeit, in der das Auto als Fortschrittsversprechen galt. Die A23 durchschneidet seit den 1960er- Jahren unterschiedliche Teile Wiens. Dabei verbindet, trennt, überlagert und produziert sie Bezüge in der Stadt, die nur aus dem Autofenster wahrgenommen werden können. Wie kann diese Fläche in Zukunft auch anderweitig genutzt werden? Ein Abriss oder vollständiger Rückbau der gesamten Baumassen der A23 wäre ökologisch und ökonomisch kaum vertretbar. In der bestehenden Struktur steckt bereits enorme gebaute Energie. Die Frage ist somit, wie man diese Infrastruktur in eine neue Zeit transformieren kann. Wenn motorisierter Individualverkehr reduziert wird, entstehen entlang der Trasse Flächen und Strukturen, die neu besetzt werden können. Zwei Fahrspuren würden genügen, so Feichtinger. Der Rest wird zum linearen Stadtraum. Die A23 führt durch ganz verschiedene urbane Bereiche Wiens, von Favoriten bis in die Donaustadt. Mit dem Fahrrad ließe sich die gesamte Strecke in nur 20 Minuten Fahrtzeit bewältigen, was den Bewohner:innen Wiens vollkommen neue Wege innerhalb ihrer Stadt erlauben würde.

Die lineare Dimension der Südosttangente wurde räumlich erfahrbar und zeigte Potenziale für ihre Transformation in einen vielschichtigen Stadtraum.
360 Studierende und acht Segmente Acht exemplarische Streckenabschnitte der Südosttangente wurden als Fokusbereiche ausgewählt, von denen jeder für sich eine spezifische stadträumliche Situation definiert, von dichten Verkehrsknotenpunkten bis zu weitläufigen Grünräumen an der Donau. Mit der Aufgabe, die bestehende Tragstruktur als Ausgangspunkt weiterzudenken, entstand eine Vielzahl an Ideen, die ober- und unterhalb der bestehenden Infrastruktur ansetzen. Angesichts der Spannweiten von 35 Metern und limitierten Maximallasten seien die Studierenden aufgefordert gewesen, diese Gegebenheiten für ihr Projekt mitzudenken. Feichtinger sieht diese Aufgabe nicht als klassische Gebäudelehre. . .
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