UIA-Weltkongress 2026 Barcelona

Was Architektur werden kann

Der UIA-Weltkongress 2026 in Barcelona versteht Architektur als gemeinsames Nachdenken über einen Planeten im Wandel. Das Kurator:innenteam gibt Antworten darauf, warum analoge Zusammenkünfte nach wie vor wichtig sind, wie das Thema „Werden“ die Rolle von Architekt:innen neu definiert und wie sechs thematische Stränge eine breitere Debatte über Ökologie, Materialien, Politik, Technologie, das Zusammenleben und die Zukunft der räumlichen Praxis eröffnen.

Arian Lehner: Was bedeutet es, dass der UIAWeltkongress nicht nur eine Fachveranstaltung, sondern eine globale Plattform für den architektonischen Dialog ist? Und warum ist ein solches physisches Treffen auch heute noch wichtig?
Kurator:innenteam: Der UIA-Weltkongress ist keine kommerzielle Messe und kein konventionelles Fachtreffen. Seit 1948 ist er eine internationale Zusammenkunft von Architekt:innen aus aller Welt, basierend auf der Idee, dass Architektur gesellschaftliche Verantwortung trägt und Architekt:innen zu wichtigen sozialen, kulturellen und politischen Fragen beitragen können. In diesem Sinne geht es nicht nur darum, aktuelle Arbeiten zu zeigen, sondern auch darum, gemeinsam zu hinterfragen, was Architektur angesichts der jeweils anstehenden Herausforderungen bewirken kann. Dieses analoge Zusammentreffen ist nach wie vor wichtig, weil Architektur keine abstrakte Disziplin ist. Sie befasst sich mit Körpern, Materialien, Territorien, Klima, Institutionen und Gemeinschaften. Das physische Zusammensein schafft eine andere Form des Austauschs: direkter, situativer und unvorhersehbarer. Der Kongress in Barcelona ist heuer nicht nur als Plattform für den Austausch konzipiert, sondern auch als Raum für Fantasie und Wissensproduktion, durch Research by Design, Workshops, Prototypen, kritische Kartografien und Gespräche.

AL: Für den Kongress 2026 wurde das Thema erstmals im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs ausgewählt. Was hat es bedeutet, ein kuratorisches Thema auf diese Weise zu definieren, und welche Möglichkeiten hat dieser Prozess eröffnet?
K: Wir haben den internationalen Wettbewerb als wichtige Geste verstanden. Er bot praktizierenden Architekt: innen die Gelegenheit, Vorschläge einzureichen, womit sich ein solcher globaler Kongress befassen sollte. Statt einem von oben vorgegebenen Thema zu folgen, ermöglichte er verschiedenen Stimmen, sich Gedanken über die intellektuelle und kulturelle Ausrichtung der Veranstaltung zu machen. In diesem Sinne war es nicht nur ein Auswahlverfahren, sondern auch eine Möglichkeit, die Frage zu stellen, mit welchen Themen sich Architektur heute auseinandersetzen sollte. Unser Vorschlag stammte von einer Gruppe von sechs Personen, einem hinsichtlich Geschlecht und Alter divers zusammengesetzten Team, mit eigenen Büros, verbunden durch das Engagement in Lehre und Forschung. Wir waren von Anfang an überzeugt, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht um ein einziges Thema oder eine in sich geschlossene These herum organisiert werden sollte. Architektur bewegt sich heute in vielen Bereichen parallel – ökologischen, sozialen, materiellen, politischen, technologischen und kulturellen – und der Kongress benötigte einen Rahmen, der diese Vielfalt auffangen konnte, ohne sie in einer oberflächlichen Diskussion aufzulösen. Deswegen entfaltet sich die Thematik über mehrere Fragen hinweg und verwandelt den Kongress in eine offene Struktur, die unterschiedliche Positionen, Reibungspunkte und verschiedene Formen der Teilhabe zulässt. Nach fast dreijähriger Arbeit ist nicht nur ein Titel entstanden, sondern ein Rahmen für die Gestaltung von Workshops, die Auswahl von Mitwirkenden, die Ausschreibung von Beiträgen und das Anstoßen eines breit angelegten Dialogs. . .

 


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