Werkreise zu Architektur und Design Ex-Jugoslawiens

Hotel Navis in Rijeka von Architekt Idis Turato

Christian Mitterer ist ein Mensch mit ausgesuchtem Sinn für Handwerksqualität, gute Möbel und  schönes Design. Dieses Faible für besondere Werkstücke aller Art bewog ihn dazu, die Werkschau zu gründen: Ein einschlägig bestens bestückter Laden in der Salzburger Neutorgasse. Dort kann man Design aller Sparten und erlesene Einrichtungsgegenstände nicht nur bestaunen und erwerben. Man kann sich dort auch wunderbar begegnen und austauschen. Denn immer wieder finden in der Werkschau auch Vorträge, Vernissagen und andere Veranstaltungen statt.

„Ich verstehe mich als Schnittstelle zwischen Designern, Einrichtungsexperten, Möbelherstellern und Kreativen aller Art zur Umsetzung von schönen, ungewöhnlichen und kreativen Projekten,“ so Mitterer. Die Kunsthistorikerin und Architekturexpertin Dr. Iris Meder teilt diese Liebe für erlesenes Design, gehobene Kommunikation und Vermittlung, die sich in ihrem Fall selbstredend auf Architektur ausweitet. Bereits letztes Jahr starteten die beiden auf den Spuren von Architektur, Design und der hohen Kunst des Glasblasens in das Abenteuer einer Werkreise, die so erlebnis- und erfolgreich verlief, dass man sie schon heute als fast als legendär bezeichnen könnte.

Und so findet dieses Abenteuer in der Werkreise 2017 seine Fortsetzung. Diesmal führt Iris Meder den Reisebus voll Architektur- und Designinteressierten von Donnerstag, den 14. September bis Sonntag, den 17. September durch die kulinarisch und baukulturell überaus vielfältigen Gefilde von Ex-Jugoslawien. Angefahren werden unter anderem das Hotel Creina des großen slowenischen Architekten Edvard Ravnikar und die slowenische Stadt Velenje, einem Musterbeispiel für den sozialistischen Städtebau der 1950er Jahre. Genächtigt wird im historischen Kurort Rogaška Slatina in einem Hotel aus den 1930er Jahren, das von Plečnik-Schüler Viktor Glanz geplant wurde. Der Freitag beginnt mit einem Besuch der Prostoria-Möbelmanufaktur, nachmittags wird die funktionalistische Wohnsiedlung Novakova in Zagreb besichtigt. Sie ist sozusagen das kroatische Pendant der Werkbundsiedlungen in Stuttgart, Brünn, Breslau, Zürich und Prag. Genächtigt wird im Hotel Uvala Scott in Kraljevica, das 1966 von Igor Emili geplant wurde und noch großteils im Originalzustand erhalten blieb. Der Samstag beginnt mit einer Querung der ehemaligen „Tito-Brücke“, die mit 1.450 Metern Länge eine ernste Anwärterschaft auf die längste Betonbrücke der Welt stellen kann: sie führt direkt auf die Insel Krk, die sich mit 405,78 km2 Fläche mit dem ebenso großen Cres die Eigenschaft teilt, gleichermaßen ex aequo die größte Insel der Adria zu sein. Hier wird nach einer Besichtigung von Malinska, das mit Beispielen des tschechischen Funktionalismus aufwarten kann, die faszinierende Ruine der gigantischen Ferienanalge Haludovo besucht, die 1970 von Boris Magaš geplant worden war und einst zu den mondänsten Destinationen von Ex-Jugoslawien gezählt hatte. Erbaut von Bob Guccione, dem Gründer des Penthouse Magazins, war das riesige Hotel der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie mit eigenem Hafen, Casino, Bowling-Bahnen und vielen runden Pools eines der luxuriösesten in der kommunistischen Ära und bei Prominenten und Adabeis sehr beliebt. Nach diesem vermutlich abenteuerlichen Gang über die Scherben der Ruine stehen in Krk einige zeitgenössische Bauten des Architekten Idis Turato auf dem Programm, in dem von ihm geplanten Fünf-Sterne-Hotel Navis wird zu Mittag gegessen. Nach einem Rundgang durch die Hafenstadt Rijeka, die 2020 zur Kulturhauptstadt geadelt wird, nimmt der Autobus Kurs auf Opatija auf, wo die Gruppe im Hotel Adriatic, das nach Plänen von Andrija Čičin-Šain und Branko Žnidarec in zwei Phasen zwischen 1963 und 1971 gebaut wurde. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Erkundung des mondänen Kurorts Opatija, der unter anderem mit dem ersten Bau des Otto-Wagner-Schülers Max Fabiani, viele Hotels aus unterschiedlichsten Epochen und natürlich mit Meer und Promenaden am Strand aufwarten kann.

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