WETRANSFORM - Zukunft bauen in der Gegenwart

Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn,
6. Juni 2025 bis 25. Januar 2026
Am 5. Juni 2025 eröffnete die Bundeskunsthalle Bonn mit einem zweitägigen Festival die Ausstellung WEtransFORM – Zur Zukunft des Bauens. Als Head of Discourse bei architektur.aktuell war ich im Rahmen des Eröffnungsprogramms eingeladen, an der Gesprächsrunde „Future Stories“ teilzunehmen, einer Reflexion über die Rolle journalistischer Formate in der Erzählung und Vermittlung urbaner Transformationsprozesse. Vertreter:innen aus Medien und Praxis diskutierten, wie Architekturjournalismus als Mittler in der ökologischen Transformation agieren kann – zwischen politischem Anspruch, alltäglicher Realität und dem Mut zur Utopie.
Die Ausstellung ist Teil eines groß angelegten Programms zur ökologischen Transformation, das die Bundeskunsthalle in Kooperation mit dem New European Bauhaus der Europäischen Kommission und transform.NRW entwickelt hat. WEtransFORM zeigt rund 80 internationale Projekte, die exemplarisch mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen – nicht als Stilfrage, sondern als grundlegende Haltung zur gebauten Zukunft. Sie alle orientieren sich an sieben Prinzipien: Klimaresilienz stärken, Biodiversität fördern, Genügsamkeit üben, Bestand revitalisieren, Kreisläufe optimieren, Experimente wagen und Aktivität ermöglichen. Ein zentrales Element des Festivals war die Präsentation von Vert auf dem Museumsplatz: Die begrünte, modulare Holzkonstruktion von AHEC, Diez Office und OMC°C reagiert auf die Herausforderungen innerstädtischer Begrünung mit einem radikal pragmatischen Ansatz. Statt dauerhaft versiegelte Flächen mit großem Aufwand aufzubrechen, setzt Vert auf ein temporäres, leicht rückbaubares System aus amerikanischem Hartholz und Hanfnetzen, in denen einjährige Kletterpflanzen wie Hopfen und Bohnen wachsen. Die Pflanzen benötigen nur minimalen Wurzelraum, wachsen innerhalb weniger Wochen bis auf drei Meter Höhe und lassen sich am Ende der Saison einfach entfernen. So entsteht Schatten, Kühlung und Biodiversität – genau dort, wo klassische Stadtbäume kaum überlebensfähig sind.

©David Ertl
In Städten wie München liegt deren durchschnittliche Lebensdauer bei nur zehn Jahren – weit unter dem Schwellenwert, ab dem sie eine nennenswerte CO₂-Bindung leisten können. Vert hingegen bringt Begrünung in die Fläche: modular, materialarm, als getesteter Prototyp und zugleich poetische Geste. Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Bollinger+ Grohmann, die Tragwerkslösung wurde im Windkanal der RWTH Aachen optimiert. Neben der Klimaanpassung zielt das Projekt auch auf eine ökologische Aufwertung des Stadtraums: Die Pflanzenauswahl ist vielfältig, teils essbar und trägt zur Förderung heimischer Arten bei – ein wandelbares Stadtmöbel, das Design und Nachhaltigkeit überzeugend zusammendenkt. Weitere Highlights der Ausstellung reichen vom raumhohen Mikroalgen-Baum Tree.ONE von ecoLogic- Studio bis zum Hybrid-Flachs-Pavillon des KIT. Im interaktiven ELLAH-Lab sind Besucher:innen eingeladen, selbst in Entwurfsprozesse einzutauchen, Materialien zu testen und neue Bauweisen zu diskutieren – ein Workshopraum, der Wandel konkret erlebbar macht. Die kuratorische Gestaltung der Ausstellung übernahm das Rotterdamer Büro MVRDV. Das Szenografie- Team arbeitete mit Materialien aus dem Bestand der Bundeskunsthalle und machte damit deutlich, wie ressourcenschonendes Ausstellungsmachen gelingen kann. Mit WEtransFORM setzt die Bundeskunsthalle ein kraftvolles Zeichen und betont die Dringlichkeit zu handeln: Die Zukunft des Bauens beginnt nicht irgendwann – sondern jetzt.
hier: Zur Veranstalltung