Wettbewerbe neu denken

Architekturwettbewerbe gelten als Motor für Qualität und Innovation. Doch das System steht europaweit unter Druck: zu viel unbezahlte Arbeit, zu wenige faire Chancen für junge Büros, zu wenig Umsetzung der Siegerprojekte. Das EU-Forschungsprojekt ARCH-E, geleitet von der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen Österreichs (BKZT), hat untersucht, wie faire und effiziente Wettbewerbe in Zukunft aussehen könnten.


Das vor kurzem veröffentlichte White Paper von ARCH-E ist die bislang umfassendste Untersuchung zum Wettbewerbssystem in Europa. Es vergleicht Verfahren, rechtliche Rahmenbedingungen und Marktzugänge in elf europäischen Ländern. Im Fokus steht, wie Wettbewerb und Qualität im Einklang funktionieren können. Die österreichische Praxis offener, europaweit zugänglicher Verfahren gilt dabei als positives Beispiel. Sie zeigt, dass faire Zugänge nicht von Bürogröße oder Herkunft abhängen müssen. Ziel des Projekts war es, auf europäischer Ebene Belege für qualitätsbasierte Vergaben zu liefern und jene Daten zu korrigieren, die Österreich in früheren EU-Erhebungen zu Unrecht als restriktiv eingestuft hatten. Denn „gerade die in Österreich gelebte Praxis der europaweit offenen Wettbewerbe unterstützt die Auswahl der besten Qualität ohne Hindernisse wie Herkunftsland oder Bürogröße“, so Daniel Fügenschuh, Präsident der BKZT in Österreich. Gleichzeitig sollten Architekt:innen Werkzeuge erhalten, um den Zugang zu internationalen Verfahren zu erleichtern. 

Wettbewerbe müssen sich lohnen

Einer der zentralen Kritikpunkte betrifft die unentlohnte Arbeit in frühen Phasen. „Die Teilnahme an Wettbewerben muss sich lohnen“, sagt Fügenschuh. Mit einem eigens entwickelten Rechner lässt sich in Österreich nachvollziehen, welches Preisgeldniveau angemessen ist. Das große Ziel bleibt, so Fügenschuh, „dass es generell öfter Wettbewerbe geben soll. Das kommt nämlich nicht nur der Baukultur zugute, sondern erhöht auch die Chance, zu gewinnen, weil sich die Teilnehmer:innen mehr verteilen.“Langfristig soll es europaweit wieder mehr Wettbewerbe geben. Ein dichteres Netz an Verfahren erhöht die Chancen für alle Beteiligten und stärkt gleichzeitig die Baukultur. Auch in Österreich zeigen aktuelle Erhebungen, dass eine breitere Ausschreibungspraxis sowohl Kosten als auch Qualität positiv beeinflusst. . .

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Der ganzen Beitrag gibt es in unserer neuen Ausgabe von architektur.aktuell 12/2026 zu lesen.

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