Leitsysteme sind keine dekorative Nachrüstung, sondern Teil architektonischer Logik. Wie entsteht gute Orientierung im Raum und woran scheitert sie oft noch? Das buero bauer in Wien entwickelt Orientierungssysteme für Flughäfen, Stadien, Museen oder Kliniken und gibt einen Einblick in seine weg(e)weisende Arbeit.


Im Großraumbüro in der ehemaligen Alpenmilchzentrale hängen Schilder an den Wänden, als wären wir unterwegs in mehreren Welten. Rechts zeigt der Pfeil zum Flughafen-Terminal, links geht es zu den Dinosauriern, geradeaus zur Lungenabteilung. Ein augenzwinkerndes Testfeld. Gründer Erwin K. Bauer und sein Team arbeiten mit einer Orientierungslogik, bei der nicht nachträglich appliziert wird, sondern gemeinsam mit der Architektur integral entsteht. „Kommunikation im Raum ist ein strukturelles Thema“, sagt Erwin K. Bauer. Bevor Medien, Trägermaterialien, Schriften und Farbpaletten gewählt werden, steht zunächst die Informationsarchitektur im Fokus: Begriffe klären, Hierarchien ordnen und Benennungen vereinheitlichen. Denn Orientierung lebt von Konsistenz und einfacher Sprache, die oft anfangs mit der Bauherrschaft entwickelt wird.

Struktur vor Oberfläche

Ein gutes System kann viel, ist aber immer eng mit dem gebauten Raum verbunden. „Was die Architektur nicht leistet, kann ein Orientierungssystem nicht mehr ins Lot bringen“, so Bauer. Wenn Eingänge versteckt, Blickbeziehungen unklar oder Erschließungen unlogisch sind, kann die Beschilderung nur noch begrenzt ausgleichen. Deshalb ist die frühe Zusammenarbeit mit Architekturbüros entscheidend. Erwin K. Bauer definiert es so: „Architekt:innen denken in Räumen, wir denken in Wegen.“ Die Route zum Ziel beginne eigentlich schon unterwegs auf der Karten-App am Smartphone und führe dann physisch über den Vorplatz durchs Gebäude bis zur Tür des Zielorts. Entlang dieser Kette werden Entscheidungspunkte definiert und das jeweils passende Medium gewählt. Analog, Digital und Taktil ergänzen einander hier im besten Fall. Im Verhältnis zu oft riesigen Baubudgets ist die Entwicklung eines Leitsystems meist nur ein kleiner Posten – jedoch mit riesigem Potenzial, da es die Wahrnehmung im Raum substanziell verbessern kann. . .

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