AL1 ArchitektInnen, bauchplan ).( landschaftsarchitektur & urbanismus, grundstein, Peter Kneidinger: gemini+ wohnlandschaften weissenbach, Hinterbrühl, Niederösterreich – Paradies im Eigenbau

Zwei Häuser auf Tuchfühlung

Zwei Häuser auf Tuchfühlung: „Als ob sie sich küssen wollen“ Two houses in close contact: as if they wanted to kiss Photo Clemens Franke

Das eigene Haus war für die Bauherren von bauchplan).( nur als Teil der Natur denkbar. Mit AL1 ArchitektInnen aus München entwarfen sie zwei Baukörper, die zwischen sich einen Hof aufspannen. Bei Einreich-, Detailplanung und Materialkonzept unterstützten grundstein und Peter Kneidinger aus Wien das transdisziplinäre Team. Das Wandsystem aus Holzstützen, Polycarbonatstegplatten und Sichtbeton ist extrem vielseitig, intelligent und preiswert. Der Aushub wurde zum Boden aus Stampflehm.

Innovative Landnahme

„Unser Interesse gilt dem Alltäglichen, Prozesshaften und der Suche nach darin verborgenen Potentialen des öffentlichen und privaten Freiraums“, so das Credo von bauchplan).(landschaftsarchitektur und urbanismus. „Ziel ist es, diese zu erkunden sowie in spezifische Erlebnisräume und Lebensqualitäten zu transformieren.“ Marie-Theres Okresek, Tobias Baldauf, Rupert Halbartschlager und Florian Otto sind die vier Köpfe von bauchplan).(. Sie betrachten die Landschaft als übergeordnete Raumkategorie, den Raum als Möglichkeit und die Wirklichkeit als eine Lesart von Umwelt.

Die Nachteile des Einfamilienhauses und seinen Beitrag zur Zersiedlung haben Marie-Theres Okresek und Tobias Baldauf, die auch privat ein Paar sind, längst verinnerlicht. Mindestens genauso gut wissen sie, was es heißt, mit Tieren, Pflanzen und Natur am Land aufzuwachsen. Die beiden haben vier Kinder. Als die Eltern von Marie-Theres Okresek im kleinen Ort Weißenbach in der Hinterbrühl ein Grundstück verschenkten, nahm das Paar die Herausforderung an, dort ihre Vision einer landschaftsverträglichen und weltoffenen Wohnform umzusetzen. Ökologisch, individuell, lebendig, leistbar. Ein konventionelles Einfamilienhaus kam für sie nicht erst in Frage: Die Verwandlung des Baugrunds zum selbst gestalteten Lebensraum wurde zur Case-Study für ihr Credo, verborgene Potentiale des öffentlichen und privaten Freiraums an diesem Ort so gut wie möglich auszuloten.

Den Ort formen

Die Parzelle ist paradiesisch. Fast 30 Bäume wachsen auf dem Grundstück, das im Norden etwas abgesenkt unter der Straße liegt. Rund 30 Meter breit, erstreckt es sich an die 35 Meter nach Süden, wo es an Wiesen grenzt. Hier fühlt man sich von der Welt entrückt wie in einem Zaubergarten. Das Bauherrenpaar entschied, das Gelände etwas zu modellieren, den Boden noch tiefer von der Straße abzugraben und die Parzelle mit zwei Häusern zu bebauen. Sie sollten mit ihren begrünten Dachlandschaften wie Hügel aus der Erde ragen, miteinander in Bezug treten.

Photos Clemens Franke

Text Isabella Marboe

Vollständiger Artikel in architektur.aktuell 10/2012