AllesWirdGut | wagnisWEST, München, Deutschland

Am Übergang zwischen München und dem offenen Land entsteht ein Wohnprojekt, das ein neues Bild urbaner Nachbarschaft zeichnet. Fünf unterschiedliche Baukörper formen ein Ensemble, das gemeinschaftliches Leben neu auslotet und zeigt, wie Architektur Räume schaffen kann, die Stadt und Landschaft nicht trennen, sondern miteinander verweben. Wie viel Gemeinschaft verträgt Wohnen und wie viel Nähe wünschen wir uns wirklich?
Ein Ensemble für neue Nachbarschaft
Auf einem Grundstück im Münchner Entwicklungsgebiet Freiham formte das Projekt ein Gefüge aus fünf Baukörpern, das bewusst heterogen gedacht ist. Jeder Baustein reagiert mit eigener Typologie auf die Umgebung, von urbanen Platzräumen bis zum offenen Streuobstfeld. Trotz der Unterschiede entsteht ein klarer Zusammenhang, der dem Ort Struktur und Lesbarkeit gibt.
Wohnformen in unterschiedlichen Intensitäten
Das Projekt bietet ein breites Spektrum an Wohnformen. Einzelwohnungen, Hausgemeinschaften mit geteilten Wohnzimmern und Clusterwohnen ermöglichen unterschiedliche Grade des Zusammenlebens. Die Vielfalt ist kein dekoratives Motiv, sondern Grundlage eines sozialen Raums, der individuelle Bedürfnisse mit kollektiven Angeboten verbindet.

Erschließung als sozialer Motor
Alle Gebäude werden über Stege erschlossen. Mal als Laubengang, mal als Brücke über den öffentlichen Fußweg, mal als internes Wegenetz. Diese Wege bilden ein Netz der Begegnungen und erzeugen Sichtbezüge über die gesamte Anlage. Die Erschließung wird zum sozialen Raum, der nicht trennt, sondern verbindet.
Reduzieren fürs Gemeinsame
Die Grundrisse folgen dem Prinzip der bewussten Verdichtung. Wohnungen sind kompakter gehalten, um Flächen für gemeinschaftliche Räume oder Außenbereiche freizuspielen. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen privatem Rückzug und geteilten Angeboten. Die Architektur fördert eine Haltung, in der gemeinschaftliche Nutzung als Gewinn verstanden wird.
Wir wussten sehr früh, wer hier wohnen wird. Also haben wir den Bebauungsplan an die Gemeinschaft angepasst – und nicht umgekehrt.

Außenräume zwischen Stadt und Landschaft
Die Freiräume greifen die Lage im Übergang zwischen urban und rural auf. Ein Streuobstfeld, klassisch gefasste Platzräume, Gärten und gemeinschaftliche Aufenthaltsflächen schaffen ein robustes, vielschichtiges Außenraumkonzept. Der Außenraum wird nicht als Restfläche, sondern als integraler Bestandteil des Wohnens behandelt.
Ein Mikrokosmos als Modellfall
Am Ende entsteht eine Stadt in der Stadt. Ein Mikrokosmos, der zeigt, wie gemeinschaftliches Wohnen in verdichteten Lagen funktionieren kann, ohne die Verbindung zur Landschaft zu verlieren. Das Projekt ist kein Experiment am Rand, sondern ein Modell für zukünftige Quartiere, die Diversität, soziale Nähe und naturnahe Freiräume zusammendenken.

