AllesWirdGut | Wohnquartier Pixendorf, Michelhausen, Österreich

Würdiger Wohnraum zu bezahlbaren Preisen für alle: In wie vielen Sonntagsreden wurde dieses Ziel nicht schon beschworen? Wir scheinen uns dennoch beständig weiter davon zu entfernen. Doch ein vom Architekturbüro AllesWirdGut geplantes Wohnquartier im niederösterreichischen Pixendorf weist einen möglichen Weg aus dieser Situation, die mehr als eine Schattenseite hat.
Die Bahn, das Fahrrad und das Auto
Die zur Marktgemeinde Michelhausen im Bezirk Tulln gehörende Ortschaft Pixendorf gründet zwar der Sage nach auf einem römischen Kastell, ihren heutigen Einwohner: innenstand verdankt sie aber zu einem guten Teil einem zeitlich näher liegenden Umstand: dem Bau des Bahnhofs Tullnerfeld an der Kreuzung der neuen, schnellen Westbahn-Trasse mit der aus dem späten 19. Jahrhundert datierenden Tullnerfelder Bahn. Dieser Bahnhof erhebt sich inmitten fruchtbaren Ackerlandes, ist jedoch von Pixendorf in Luftlinie nur schwache zwei Kilometer entfernt. Es ist also eine Bahnstation, nicht die notorische Autobahnabfahrt, die hier die kräftige Erweiterung eines Dorfs vorantreibt. Die halbe Stunde Fußweg, die das von AllesWirdGut geplante Quartier mit dem Bahnhof verbindet, mag ein zu schwacher Anreiz für ein Leben ohne Auto sein. Doch die Kürze der Strecke erleichtert die Wahl zwischen Auto und Fahrrad zugunsten des Letzteren. Darauf gründete das ambitionierte Verkehrskonzept, das schon 2019 in die Wettbewerbs-Aufgabenstellung zur Entwicklung der etwa 16.450 Quadratmeter großen Liegenschaft einfloss: Die Beschränkung auf maximal einen Autoabstellplatz je Wohneinheit ist ein revolutionärer Ansatz für den ländlichen Raum, in dem die gängige Vorschreibung von zumindest zwei Stellplätzen pro Wohnung den Alltag der dort lebenden Menschen abbildet.

Ein Quartier als erste Wahl
Den Tribut an eine Lebensform, die sich ihre Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr erst mühevoll wird abgewöhnen müssen, entrichtet die neue Wohnanlage über eine Tiefgarage, die das gesamte von Erschließungsstraßen gesäumte Areal von geparkten Autos freihält. So wird auf den ersten Blick sichtbar, wie grundlegend sich dieses Quartier von den im Norden und Westen anschließenden Erweiterungsgebieten des ursprünglichen Dorfs unterscheidet: Weder verschwendet es kostbaren Boden für die allseits beliebteste Wohnform, das freistehende Einfamilienhaus, noch gibt man sich mit einem aufs Geratewohl (re)produzierten Geschosswohnbau als zweitbester Lösung zufrieden. Vielmehr fordern bereits die Wettbewerbsunterlagen neben Schwerpunktsetzungen auf Themen der Nachhaltigkeit eine Vielzahl von Qualitäten ein, wie sie der verdichtete Wohnbau nur zu selten bietet. Während moderne, funktionale und ohne großen Aufwand anpassbare Wohneinheiten soziale und funktionale Diversität gleichermaßen erleichtern sollen, haben gemeinschaftlich oder öffentlich genutzte Räume die Aufgabe, die Kommunikation zwischen den Bewohner:innen und so die Entwicklung von Gemeinschaft zu fördern. Durch dieses Angebot soll das neue Quartier zur Bereicherung für das gesamte Dorf werden. Jedenfalls eine Bereicherung für Pixendorf ist die Balance, die der als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf zwischen den Ansprüchen von Wirtschaftlichkeit, Nutzungskomfort und Ästhetik findet. . .
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