Wie kann Architektur Räume schaffen, die nicht nur Schutz bieten, sondern zum sozialen Lernen, zur Selbstentfaltung und zum gemeinsamen Gestalten einladen? Das Mailänder Architekturbüro AOUMM antwortet auf diese Fragen mit einem fließenden, offenen Raumkonzept, das Kinder, Jugendliche und nicht zuletzt auch Erwachsene zur aktiven Teilhabe auffordert.

Text: Laura Frediani | Fotos: Giacomo Bianco, Giovanna Silva


Das Projekt befindet sich im Mailänder Stadtteil Gallaratese, der zwischen den 1960er- und 1980er- Jahren als eines der größten ex novo errichteten Stadtviertel Italiens entstand. Unweit der bekannten Wohnanlagen von Aldo Rossi und Carlo Aymonino hat hier die NGO Save the Children unlängst einen neuen Standort ihrer Initiative Punti Luce (deutsch „Lichtpunkte“) als sicheren Ort für Bildung, Begegnung und Unterstützung eröffnet. Realisiert wurde das Projekt nach einem von der Stadt Mailand ausgeschriebenen Wettbewerb, den AOUMM gemeinsam mit Save the Children gewann. Die beiden Partner:innen hatten bereits beim temporär errichteten Pavillon für die EXPO 2015 in Mailand kooperiert. Ihre Ansätze zu Leichtbau, Holzarchitektur und Wiederverwendung kamen konkret zur Anwendung: Nach Ende der Ausstellung wurde der Pavillon demontiert und als Schule im Libanon wiederaufgebaut.

Ein Ort für Bildung und Begegnung Auch das Projekt für das Lernzentrum Punto Luce Gallaratese folgte den Prinzipien der Wiederverwendung: Die Fundamentplatte des asbestbelasteten Altbaus auf dem Baufeld wurde nach seinem Abriss weitergenutzt. Auf diese Weise entstand die Basis für ein in Leichtbauweise realisiertes Zentrum, das sowohl ressourcenschonend als auch rücksichtsvoll gegenüber der Nachbarschaft geplant wurde. AOUMM entwarf dabei weit mehr als ein funktionales Gebäude. Es entstand ein architektonisches Versprechen: ein Ort, der im Austausch mit Jugendlichen, Lehrenden und der Nachbarschaft konzipiert wurde. Im Mittelpunkt steht das Recht auf Bildung, Schutz und Mitbestimmung – konkret, greifbar und architektonisch erfahrbar.

Architektur als Resonanzraum Die Architektur selbst wird zur Mitakteurin im täglichen Lernen. Sie schlägt eine stille, aber kraftvolle These vor: Raum kann Teil der Pädagogik sein. Der organisch geformte Bau legt sich wie ein schützender Ring um einen Innenhof, offen und geborgen zugleich. Die Wege sind verschlungen, die Übergänge zwischen innen und außen sanft verwoben. Das Atrium und der umgebende Garten sind als Erweiterung der Räume gestaltet und schaffen so eine geschützte Umgebung, die einen fließenden Übergang zur Natur gewährleistet. Die Grünräume ergänzen den Mangel an gestalteten Freiräumen im Viertel und bieten vielfältige Aufenthaltsqualitäten. Sichtachsen entstehen und verschwinden, Perspektiven öffnen sich und schließen sich wieder.

Fotos: Giacomo Bianco, Giovanna Silva

Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren erleben hier keine festgelegten Strukturen, sondern Räume, die sich ihren Bedürfnissen anpassen. Lernen geschieht als Spiel, als soziales Handeln, als Akt der Selbstbestimmung. . . 


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