Ein Zuhause auf Zeit

architektur.terminal DIETER KLAMMER | Haus Benedikta/Vipp-Montafon-Haus, Vandans, Österreich

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in die Ferien. Doch statt in einem klassischen Resort unterzukommen, residieren Sie so vertraut wie zu Hause. Im Haus Benedikta im Montafon scheint das möglich. Hier entsteht Wohnlichkeit aus dem Zusammenspiel von Architektur, Innenarchitektur und Landschaft. Dass das Haus kürzlich in die Vipp Guesthouses aufgenommen wurde, unterstreicht diesen Anspruch. Doch lässt sich das Gefühl von „Zuhause“ tatsächlich entwerfen?

Die Disziplinen Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsplanung verfolgen das Ziel, individuelle Lösungen für unterschiedliche programmatische Ansätze zu schaffen. Räume reagieren präzise auf ihren Ort und ihre Nutzung. Um darüber hinaus Geborgenheit entstehen zu lassen, braucht es jedoch mehr als funktionierende Planung. Das Haus Benedikta im Montafon unternimmt den Versuch, genau diesem Anspruch gerecht zu werden. Das Haus steht frei in der Landschaft. Auf einer Anhöhe, mit Blick ins gegenüberliegende Tal. Seine Nutzung gibt es anfangs nicht preis. Keine Hotelreklame, kein versiegelter Vorplatz zum Vorfahren und Gepäckabladen. Schlicht ein geschotterter Weg, der im Gras verläuft. Vor dem Haus ein klassischer Bauerngarten mit Obst, Kräutern und Blumen. Vor dem Eingang eine alte Holzbank, der Platz in der Sonne, mit Blick auf die Straße, für die unerwartete Begegnung mit Nachbar:innen. Zum großzügigen Wohnhaus gehört ein Stadel – ein Zeitzeuge der früheren landwirtschaftlichen Nutzung. Dazwischen spannt sich ein gefasster Außenraum auf, gesäumt von Wald und Wiese. Hier gibt es eine Feuerschale, Gartenmöbel und sonstige Infrastruktur, um das Zusammenkommen im Freien zelebrieren zu können. Vor allem die Nachbar: innen prägen den Ort. Ihre Arbeit macht die Kulturlandschaft akustisch und olfaktorisch erfahrbar. Das Ankommen fällt leicht und der Ort ist weit über seine Grundstücksgrenzen hinaus lesbar.

Die Klarheit der historischen Substanz

Das Montafonerhaus wurde 1836 erbaut, es ist altehrwürdig und seit Generationen in Familienbesitz. Die Holzstrickkonstruktion, die gealterte Fassade und die über Jahrzehnte gewachsene Patina erzählen von seiner Geschichte. Das Architekturbüro architektur terminal unter Dieter Klammer hat freigeschält, was erhaltenswert und identitätsstiftend ist, und verändert, was der Struktur ihre räumliche Klarheit zurückgibt. Im Inneren zeigt sich diese Haltung besonders deutlich. Zwei historische Stuben – Wohnzimmer und Esszimmer – blieben nahezu unverändert. Ihre Proportionen, Materialien und Oberflächen erzeugen eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht neu herstellen lässt. An einer großen Tafel entsteht Gemeinschaft, ohne inszeniert zu sein. Daneben liegt die Küche als Schnittstelle zwischen Alt und Neu. Niedrige Raumhöhen treffen auf zeitgenössische Intervention. Der Küchenblock aus Edelstahl steht als Solitär im Raum, funktional und präzise gesetzt. Durch eine niedrige Tür führt der Weg direkt in den Garten. Hinter der Speisekammer überrascht eine Sauna – dort, wo früher Holz gelagert wurde, steht heute der Saunaofen. Die Orientierung im Haus ist unmittelbar erfahrbar, bei der Ankunft wird man mit großer Geste begrüßt: Beim Betreten öffnet sich der Eingangsbereich bis unter das Dach. Durch das teilweise Entfernen der Geschossdecken ist ein vertikaler Raum entstanden, der die Ebenen miteinander verbindet. Die neue Erschließung verbindet Aufenthaltsbereiche im Erdgeschoss und Privaträume in den Obergeschossen. Jedes der vier Schlafzimmer ist mit einem privaten Bad versehen und bietet einen Rückzugsort. Die Räume sind kleinmaßstäblich, warm und materialehrlich gestaltet. Gealtertes Holz, neue Tannenverkleidungen und rohe Stahlstrukturen bleiben sichtbar und spürbar. Gerade in dieser Reduktion entsteht eine stille Form von Komfort, die nicht über Ausstattung, sondern über Atmosphäre funktioniert. . .


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