Aretz Dürr Architektur | F//9, Köln & H//42, Aachen, Deutschland

Unsere Städte stehen vor großen Herausforderungen: Steigende Mieten, begrenzte Flächen und immer komplexere Bauprozesse prägen das urbane Bauen. Das Kölner Büro Aretz Dürr reagiert darauf mit klarer Struktur und präziser Vorfertigung. Seine Projekte zeigen, wie Architektur zeitgemäß, präzise und dabei offen bleiben kann.
Vielfalt im System
Aretz Dürr verfolgt seit Jahren den Ansatz, Gebäude so zu entwerfen, dass sie skalierbar und flexibel bleiben. Mit dem Holzmodulbau F//9 in einer Baulücke der Kölner Südstadt zeigt das Büro, dass modulare Systeme auch im dichten Stadtgefüge funktionieren. Die klare, einfache Struktur erlaubt eine Vorfertigung, die die Baustelle entlastet und gleichzeitig gestalterische Qualitäten hervorhebt. Die Holzmodule ermöglichen eine schnelle Bauweise, sichtbar bleibende Oberflächen und eine konsequente Abkehr von der klassischen Nassbauweise – ein Leitgedanke von Aretz Dürr, der hier spürbar wird. Ein System wie bei F//9 lässt sich grundsätzlich überall umsetzen.

Aretz Dürr setzt auf einfache, robuste Materialien wie unbehandeltes Metall und Holz, um Weiterbauen klar und flexibel an den Bestand anzuschließen.
Es basiert auf „nackten“ und wasserführenden Modulen, deren Installationen stark reduziert sind, die sich stapeln und so leicht auf andere Standorte übertragen lassen und auch unterschiedliche Erschließungsformen zulassen. Dank moderner Produktionstechniken wie CNC-Steuerung können Module flexibel verlängert oder verkürzt werden, sodass sich mit denselben Grundrissen zahlreiche Baulücken zwischen acht und 14 Metern Tiefe besetzen lassen, erklärt Sven Aretz. Das zweite Projekt, H//42, verfolgt einen anderen Ansatz: ein Weiterbauen an einem Bestandsgebäude mit einem unbeheizten Anbau, dessen lebendige Fassade auf unterschiedliche Nutzungen und Witterungen reagiert. Aus der anfänglichen Idee eines Stahlbaus entwickelte sich durch das überarbeitete Raumkonzept ein Holzskelettbau – dank seiner kompakten Bauweise leichter, wärmer und effizienter. Der Anbau hat sich längst zu einem Lieblingsort der Bewohner:innen entwickelt, er ist unverzichtbar geworden, gerade weil er auf wechselnde Bedingungen reagiert und zudem günstigen Raum bietet, da er unbeheizt bleibt.
Architektur im Wandel der Zeit
Für Jakob Dürr ist Architektur immer Ausdruck ihrer Zeit. Das zeigt sich besonders im Umgang mit modularen Bauweisen, etwa am Projekt F//9 in der Jakobstraße. Dort hätte die Fassade zu 95 Prozent direkt an den Modulen hängen können; Fenster waren bereits integriert, nur die Fassadentafeln wurden später montiert, um Toleranzen auszugleichen. Fallrohre verdecken die Fugen und betonen den modularen Aufbau, während die schlichte Hülle eine klare Tektonik erzeugt. Farblich bleibt das System flexibel und die Modularität bewusst ablesbar. Einen Widerspruch zwischen Nachbarschaft und Innovation sieht das Büro nicht. Kölns Nachkriegsarchitektur ist geprägt von modularen Skelettbauten der 1950er- und 1960er-Jahre. Architektur transportiert hier Zeitgeist. Neue Anforderungen an Energie, Material und Wohnformen verändern auch die Gestaltung. Eine „aufgesetzte“ Fassade vor modulare Strukturen zu setzen, hält Dürr für wenig sinnvoll. Architektur soll lebendig bleiben, sich wandeln dürfen und gut altern. . .
Jetzt Heft bestellen und weiterlesen!
Der ganzen Beitrag gibt es in unserer neuen Ausgabe von architektur.aktuell 12/2025 zu lesen.
