ASAP | Chromatisches Wohnen, Wien, Österreich

Die vom Architekturbüro ASAP entwickelte Transformation einer Wiener Altbauwohnung versteht den Bestand als chromatisches Spektrum, als Folge eigenständiger Atmosphären, die sich zu einer räumlichen Erzählung verdichtet.
Ausgangspunkt war zunächst eine eher pragmatische Aufgabenstellung. „Am Beginn des Briefings stand die funktionale Forderung nach einem neuen Badezimmer und einer neuen Küche“, erinnert sich der leitende Architekt Florian Sammer. Doch daraus entwickelte sich bald eine umfassende Neuorganisation der Wohnung. Durch eine gezielte Raumrochade konnte das Schlafzimmer an die ruhigste Stelle des Grundrisses verlegt werden. „Wir haben eine Lösung entwickelt, in der nur geringe statische Maßnahmen nötig waren zugunsten einer zirkulären Raumanordnung mit Durchgängen.“ Die klassische Wiener Altbauwohnung bleibt dabei deutlich erkennbar: Fenster, Türen, Beschläge, Oberlichten und bestehende Verkleidungen wurden erhalten und renoviert, der traditionelle Fischgrätboden zieht sich durch die gesamte Wohnung. Allerdings wurde er weiß deckend ausgeführt, „um die Holzfarbe bewusst rauszunehmen. Das lässt die Räume auch weiter erscheinen“, erklärt Florian Sammer.

Farbe als Erzähler
Innerhalb dieser vertrauten architektonischen Hülle entfaltet sich eine überraschend eigenständige Innenwelt. Eine Fornasetti-Tapete mit Stadtlandschaftsmotiv verwandelt die Wand in einen Bildraum, getöntes, facettiertes Spiegelglas vervielfacht die Szenerie, und roter Marmor setzt einen präzisen Akzent. Bereits hier wird sichtbar, dass Farbe nicht als dekorative Oberfläche verstanden wird, sondern als räumliches Werkzeug. Sie strukturiert Wege, markiert Übergänge und macht die neue Zirkulation lesbar. „Der Mut zur Farbe war von Anfang gegeben“, sagt Sammer. „Die Bereitschaft, jeden Raum mit einer eigenen Farbstimmung auszuformulieren, war ein klarer Wunsch des Bauherrn.“ Die daraus entstandenen Raumsequenzen wurden von Beginn an als Gesamtkomposition gedacht. Dieses Konzept setzt sich in der gesamten Wohnung konsequent fort. Das Badezimmer übernimmt als indigoblauer Kern eine doppelte Funktion: Es ist Nassraum und Scharnier zugleich. Zwischen Vorraum und Küche gelegen, wird es vom klassischen Nebenraum zum Teil der aktiven Wegeführung. Hochglänzende Fliesen verstärken Spiegelungen und Tiefenwirkungen, ein Fischgrätmuster am Boden betont Bewegung und Richtung. Der Kontrast zur unmittelbar anschließenden Küche könnte größer kaum sein. Diese präsentiert sich jugendlich als monochrom rosafarbene Bühne. „Die Küche ist nicht rosa geworden, um Aggressionsabbau zu fördern, sondern um eine gewisse Leichtigkeit und Fröhlichkeit in den Alltag zu bringen“, unterstreicht Florian Sammer. . .
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