Wenn die Kultur eines Unternehmens authentisch entwickelt und sorgsam gepflegt wird, lässt sie sich auch glaubhaft in Architektur gießen. So ist für die Alpinschule Innsbruck ein Arbeitsort entstanden der bis ins letzte Detail die Menschen wertschätzt für die er da ist und auf den Ort antwortet wo er steht.


 

Abgesehen vom Keller und dem Gebäudekern aus Stahlbeton ist das viergeschossige ASI-Haus, das an das erhaltene Bestandsgebäude andockt, ein Holzskelettbau, kombiniert mit Massivholzelementen. Durch die ökologische Bauweise konnte gegenüber einem konventionellen Massivbau etwa die Hälfte an CO2 eingespart werden. Bei der Gebäudetechnik gibt es kein überflüssiges High-Tech, dafür intelligente CO2-Sensoren, welche die Luftqualität messen und bei Bedarf die mechanischen Fensteröffner ansteuern. Eine reversible Luft-Wasser-Wärmepumpenanlage heizt und kühlt das Gebäude über den Fußboden, am Dach wird eine Photovoltaikanlage als Überschussanlage betrieben. Die West- und Nordseite des Gebäudes ragen so nah an den dichten Mischwald heran, dass die Bäume beinahe selbst zur Gebäudehülle werden. Dieses Bild hat Snøhetta aufgegriffen und zu einem grünen Pflanzenvorhang verdichtet, der den Bau immer mehr in der umgebenden Natur verschwinden lassen wird. Siebzehn verschiedene Arten sommer- und immergrüner Kletterpflanzen ranken sich an einem Stahlseilnetz über zwei Geschoße nach oben, bewässert mit Regenwasser aus der Zisterne im Keller.

 Snøhetta, ASI-Headquarters, Natters, Tirol © Christian Flatscher

Diese grüne Pufferzone ändert über die Jahreszeiten hinweg ihr Gesicht, sorgt für die Beschattung und erzeugt zugleich ein Mikroklima, das die Energie für die Gebäudekühlung vermindert. Die eigentliche Gebäudehaut dahinter bildet eine schwarz geflämmte Lärchenschalung – Yakisugi heißt die traditionelle Methode zur Holzkonservierung aus Japan, bei der die Oberfläche leicht verkohlt und so karbonisiert wird. Das macht die Fassade ohne weiteren Anstrich wetterresistent und schützt vor Insekten.

 Snøhetta, ASI-Headquarters, Natters, Tirol © Christian Flatscher

Es galt die ASI-spezifische Kultur des Zusammenarbeitens in Architektur zu gießen, eine Kultur, die wohlgemerkt schon vorher gelebt wurde – mit Pingpongtisch, Shiatsu-Angebot, Ruheraum und Spazierengehen als Meetingformat – und die generell mit Gemeinschaft, flacher Hierarchie, unkomplizierter Kommunikation, Wertschätzung und Offenheit zu tun hat. Viel davon findet im neuen Gebäude seine Entsprechung: Die 50 (auf 65 erweiterbaren) Arbeitsplätze sind in einem großen, luftigen, holzdominierten Raum über zwei Geschoße hinweg untergebracht, dem durch weiche Zonierungen, durchlässige Möbelelemente und eine hervorragende Akustik das Beklemmende des Großraumbüros genommen wurde. Das unhierarchische Konzept schafft für alle (inklusive Geschäftsführer) die gleichen Bedingungen.

Lesen Sie mehr in architektur.aktuell 6-8/2020!

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