Maximilian Eisenköck

Atelierpavillon in Neuaigen

Atelierpavillon © Martin Weiß

Ein Hauch von nichts. Die Bauherrin – eine Keramikkünstlerin – verlegte ihren Lebensmittelpunkt an den Ort ihrer Kindheit. Ihr Budget war klein, ihre Bereitschaft, ein kompromisslos modernes Haus zu bewohnen, umso größer. Architekt Maximilian Eisenköck sanierte behutsam den elterlichen Bestand und setzte ihr einen radikal transparenten Pavillon aus Glas, Holz und Stahl in den Garten.


 

Alt und neu

Wie viele andere auch, öffnete Architekt Maximilian Eisenköck bei den Architekturtagen im Juni 2018 sein Wiener Atelier. „Da kamen etwa zehn Leute, die über meine Projekte etwas wissen wollten“, erinnert er sich. Eine davon war die Bauherrin, ihr Interesse war nachhaltig. Sie wollte Wohnraum und Atelier mit Showroom für ihre Keramik, ihr Budget war der Verkaufserlös ihrer Wiener Wohnung. „Ich wollte etwas Modernes“, sagt sie. „Mein erster Gedanke war, alles weg zu reißen.“ Dem kam der Ortsbildschutz in die Quere: Das Haus war nicht erhaltenswert, seine geschlossene Bauweise und Kubatur aber mussten für das Ensemble gewahrt bleiben. Es hatte ursprünglich einen L-förmigen Grundriss: Der lange Schenkel verläuft entlang der Straße im Westen, im Südosten ragte der schmale Nebentrakt in den Garten. Maximilian Eisenköck begutachtete es, in ihm und der Bauherrin reifte eine neue Lösung: den Altbau zu erhalten, um einen Neubau zu ergänzen und so das elterliche Erbe in die Gegenwart zu führen. Ersterer dient als Atelier, zweiterer als Wohnung. 

Die tragenden Wandscheiben des Kerns © Martin Weiß | pool2b.net

Die tragenden Wandscheiben des Kerns © Martin Weiß | pool2b.net

Illusionistischer Moment

Eine schmale Stütze und eine Glasscheibe genügen, um den Windfang in der offenen Wohnküche zu definieren. Als Raumteiler und Beschattungselement fungieren durchwegs weiße Vorhänge. Die Küche wurde vom Architekten entworfen – sie ist wie ihr Pendant im Altbau aus Birkensperrholz – und verwandelt sich an ihrem Ende zu einem Arbeitsplatz für die Baufrau. Sie bewohnt diese minimalistische Architektur in entspannter Stimmigkeit. In der Mitte formieren sich die tragenden Wandscheiben des Kerns zum Musik- und Gästezimmer, sowie zu den Sanitärräumen, die im Norden aus dem Baukörper ragen: Verborgene Stützen der Transparenz. Das Schlafzimmer bildet im südöstlichen Eck den letzten Raum des Pavillons. Es ist über Eck verglast, auch der Umgang bleibt der Glasfront treu und schenkt dem Schlafzimmer noch einen kleinen, exklusiven Balkon an der Morgensonne. Die Bodenplatte ist innen durchgehend mit grauem Linoleum beschichtet, im Freien mit Lärchenholz verkleidet, die Untersicht des Daches aus kreuzlagenverleimter Fichte wurde weiß lasiert.

 © Martin Weiß

Schmale Stützen © Martin Weiß | pool2b.net

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