Spa

In einer typischen Tiroler Tourismusgemeinde beweist ein Spa, wie das Weiterbauen am Hotel-Bestand ohne Brachialgesten aber mit Mut zum Ungewohnten funktionieren kann und was „Wellnesslandschaft“ abseits von Klischees bedeutet.


Tiroler Tourismuslogik  

Fügen ist eine Tiroler Tourismusgemeinde, wie sie typischer kaum anzutreffen ist. Über die Jahrzehnte immer wuchtiger angewachsene, aus dem Maßstab geratene Hotelburgen im heftigsten Alpenkitsch bestimmen das Ortsbild, darüber Seilbahnstationen und Schilifte. Abgesehen von den Zillertaler Schürzenjägern und einer bedeutenden Holzindustrie ist es der Tourismus für den diese Region, 40 Kilometer östlich von Innsbruck, bekannt ist und von dem sie lebt. Für 5000 Gästebetten und bis zu 660.000 Übernachtungen jährlich – im Sommer nicht viel weniger als im Winter – müssen die Fügener Hoteliers am Ball bleiben und ihre Infrastruktur laufend adaptieren. Hochwertige Baukultur ist trotzdem die Ausnahme.

Spa

Eine recht typische Tiroler Hoteliersgeschichte, die allerdings nicht zu einem seelenlosen Koloss und einer zerstrittenen Familie geführt hat.

Nicola Weber

 

Hotelgeschichten  

Die Geschichten von Hotels und ihrer architektonischen Genese sind in dieser Gegend meist auch Familiengeschichten, das ist beim Hotel Crystal nicht anders, und sie als Architekt zu kennen ist eine sinnvolle Voraussetzung um das Vorhandene weiterentwickeln zu können. Als einer der frühen Tourismuspioniere hat der heutige Seniorchef Hermann Wetscher, der später viele Jahre Bürgermeister des Ortes war, mit seiner Frau Anfang der 1950er Jahre ein kleine Pension errichtet, die vor allem von ihr, Mina Wetscher, energisch betrieben wurde, hat sie laufend vergrößert und adaptiert, Grund dazugekauft, Schwimmbad und Seminarraum ergänzt und den Betrieb irgendwann an seine Kinder übergeben – eine recht typische Tiroler Hoteliersgeschichte also, die allerdings nicht zu einem seelenlosen Koloss und einer zerstrittenen Familie geführt hat, sondern mithilfe des Architekten Wolfgang Pöschl ein schlüssig gewachsener Organismus mit überaus sympathischer Ausstrahlung geworden ist, dessen vorerst letztes Puzzelteil und Höhepunkt die 3000 m3 große Spa-Erweiterung im westlichen Teil des Gartens ist. (...)

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