AZC Atelier Zündel Cristea: Bon-Secours Alterspflegeheim und Kinderkrippe, Paris 14 – Volumen formen im Kontext

Das verglaste Erdgeschoß ist je nach Nutzung und räumlicher Situation unterschiedlich ausgeprägt | Photo Sergio Grazia

Das verglaste Erdgeschoß ist je nach Nutzung und räumlicher Situation unterschiedlich ausgeprägt | Photo Sergio Grazia

Wie eine urbane Naht in einem zerklüfteten Stadtviertel aussehen kann, zeigt Zündel et Cristeas sozialmedizinisches Zentrum. Trotz seiner Masse fügt es sich subtil in den Kontext ein, ordnet sich diesem letztlich durch die Kraft seiner Komposition unter und generiert eine neue Zentralität.

Urbane Naht

In einem baulich und sozial äußerst heterogenen Bezirk nahe der südlichen Stadtgrenze von Paris befindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts der klösterliche Spitalskomplex Notre-Dame-de-Bon-Secours, eine Pavillonanlage, die sich im Laufe der Zeit zusehends erweitert hat. Nachdem beschlossen wurde, die Spitalsfunktion in ein benachbartes Krankenhaus auszulagern, sollte nun ein sozialmedizinisches Zentrum entstehen, wobei an der Stelle des ehemaligen Frauenspitals ein Neubau errichtet werden sollte, der ein Pflegeheim und eine Kinderkrippe beherbergt. In einem zweiten Haus, das gerade in Bau ist, wird ein Wohnheim für Behinderte entstehen.

Das Architektenteam Atelier Zündel et Cristea gewann den Wettbewerb mit einem Projekt, das nicht nur eine passende Lösung für die die unterschiedlichen Bauetappen bot, sondern sich vor allem auch städtebaulich sensibel in den komplexen Kontext einfügt. Trotz der unterschiedlichen Gebäudetypologien, Stile, Höhen und Formen der umgebenden Bauten, vermag der im Inneren der Parzelle situierte Neubau mit seinem Umfeld zu kommunizieren, indem sich seine beträchtlichen Kubaturen der jeweils benachbarten Situationen geschickt anpassen. Dies wird durch eine horizontale Aufsplitterung des Volumens ermöglicht.

Aufsplitterung

Das verglaste Erdgeschoß ist je nach Nutzung und räumlicher Situation unterschiedlich ausgeprägt. Im Eingangsbereich des Pflegeheims ist es etwas zurückversetzt, um vor Regen zu schützen. Ein tiefer Rücksprung der Fassade schafft eine Verbindung des begrünten Innenhofs mit dem Vorplatz, auf dem Bäume und auskragende Betonbänke zum Verweilen einladen. Das Architektenteam gestaltete den gesamten Außenbereich, der den Neubau mittels Gehwegen, Plätzen und Gärten mit dem Bestand verwebt. Auf der Gartenseite tritt das Erdgeschoß unter dem Baukörper hervor und artikuliert sich somit als eigenständiges Volumen, das durch seine Schrägstellung den Eingang zur Kinderkrippe einladend akzentuiert. Die Krippe öffnet sich einerseits zu einem an den Garten des Pflegeheims angrenzenden Außenspielbereich und andererseits zu einem begrünten Innenhof, um den herum die Nebenräume angeordnet sind. (…)

Vollständiger Artikel in architektur.aktuell 10/2015