Zeit wurde zur Materie

BACH / Jaume Bach, Anna & Eugeni Bach | Kino und Auditorium des Museo Reina Sofía, Madrid, Spanien

Neue Nutzungsformen und Technologien

Seit 1987 hat sich alles verändert, bis hin zum Museum selbst, das 2005 von Jean Nouvel erweitert wurde. Im Laufe der Jahre hatte sich dieser Raum vom Vortragsraum zum Kino gewandelt. Bei der Modernisierung stand deshalb neben der Zugänglichkeit – der Parkettbereich war über eine Treppe zu erreichen – auch die technische Ausstattung im Fokus. Die Übersetzungskabinen waren überflüssig geworden, und es galt, Vorführungen in 16 und 35 Millimetern zu ermöglichen, jenen zwei analogen Formaten, die im experimentellen Kino heute noch verwendet werden, üblicherweise aber nicht im selben Saal. Auch die weiße Farbe aus den 1980er-Jahren schien nicht mehr zeitgemäß. Man kann davon ausgehen, dass der neue Auftrag sowohl Erinnerungen bei Jaume Bach als auch den Ehrgeiz seiner Partner:innen weckte. Angesichts der Dauerkrise ihres Berufsstandes haben Anna und Eugeni Bach lernen müssen, vielseitig zu sein. So finden sich in ihrem Schaffen Gebäude, Messestände, Hütten, ein Quadratmeter große Wachhäuschen oder auch eine temporäre Installation im Barcelona-Pavillon, die Mies van der Rohes Onyx hinter weißer Klebefolie verbarg.

Die Traum-Dunkelkammer

Als Ergebnis generationenübergreifender Zusammenarbeit wirkt der bauliche Eingriff im Museum Reina Sofía vertraut und doch ganz neu. Die Formen blieben erhalten: Im Eingangsbereich wurde ein drittes Prisma hinzugefügt, das als Lagerraum dient. Die Oberflächen verzichten jedoch auf jegliche Neutralität. Ziel war ein dunkler Raum, fast schon eine Traum-Dunkelkammer. Der rote Teppichboden, halb Vermeer, halb Lynch, reicht die Wand hinauf und wurde zur Wandverkleidung. Die Gewölbedecke wurde – wie die Architekt: innen erklären, in Anlehnung an Gunnar Asplunds Skandia-Kino in Stockholm – mit magnetischen Filzplatten himmelblau verkleidet. Und die ehemals aus HDF-Platten gefertigte gleichschenklige Deckenverkleidung verwandelte sich in eine purpurrote Stoffbahn, die die zentralen Lautsprecher verbirgt. Diese künstliche Morgendämmerung, die die Naturmetaphorik des Raumes krönt, wäre in Alejandro Jodorowskys „ Montana Sacra – Der heilige Berg“ nicht fehl am Platz. . .


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