Barkow Leibinger | TRUMPF-Ausbildungszentrum, Ditzingen, Deutschland

Mit dem neuen Ausbildungszentrum setzt Barkow Leibinger ein architektonisches Statement für die nächste Generation der Fachkräfte. Der Neubau verbindet Werkstätten, Seminarräume und ein Auditorium zu einem funktional präzisen Lernort. Holz Hybridbau, klare Raumlogik und ein campusoffener Charakter zeigen, wie ein Hightechunternehmen räumliche Qualität und Ausbildung zusammenführt. Welche Rolle spielt Architektur dabei, Kompetenzen zu formen?
Ein Neubau im Kontext eines Technologiecampus
Direkt neben dem Betriebsrestaurant Blautopf ergänzt das neue Ausbildungszentrum seit Anfang 2024 die räumliche Mitte des TRUMPF Campus. Beide Bauten teilen eine polygonale Geometrie und eine Holz Hybridkonstruktion. Das Zentrum ist für bis zu 100 Auszubildende konzipiert und deckt die gesamte Prozesskette des Werkzeugmaschinenbaus ab. Der Bau öffnet sich mit großformatigen Verglasungen in die Parklandschaft, die ihn umgibt. Ein neu gestalteter Vorplatz führt zum nördlichen Eingang und verknüpft das Gebäude mit dem Dienstleistungszentrum. Im Nordwesten übernimmt ein terrassierter Garten die Verbindung zum höher gelegenen Blautopf. Der Pausenbereich im Außenraum, teilweise überdacht, erweitert die Nutzungszonen und bietet Raum für informelle Aktivitäten.

Hexagonale Organisation als Funktionsgerüst
Der Grundriss beruht auf einem sechseckigen Aufbau. Sechs wabenförmige Module gruppieren sich um das zentrale Auditorium. Das Herzstück des Baus fasst bis zu 400 Personen und lässt sich durch Vorhänge flexibel abtrennen. Unterschiedliche Fensteröffnungen schaffen Blickbeziehungen, während ein textiles Oberlicht die Lichtführung kontrolliert. Die Raumhöhen variieren: Werkstätten sind doppelgeschossig, Seminarräume eingeschossig.
Flexible Lernräume auf zwei Ebenen
Das Foyer dient als zentrale Verteilerzone und Ausstellungsebene. Die Teeküche mit Zugang zum Außenraum erweitert die Aufenthaltsflächen. Im Untergeschoss liegen Umkleiden und der Anschluss an das unterirdische Tunnelsystem, das eine wettergeschützte Verbindung zum gesamten Campus herstellt. Im Obergeschoss ermöglichen flexibel schaltbare Seminarräume verschiedene Nutzungsszenarien. Ergänzend wurden spezielle Schulungsräume wie ein Bandproberaum integriert.

Präzise Konstruktion aus Holz und Beton
Alle Holzbauteile wurden vorgefertigt und vor Ort montiert. Stützen, Unterzüge und Dachträger bestehen aus Brettschichtholz, die Außenwände aus Holztafelelementen und Fachwerkstrukturen. Die zweigeschossigen Waben erhielten Holz-Beton-Verbunddecken. Das Auditorium selbst wird von Brettsperrholzelementen getragen. Die Dachträger laufen radial auf das Oberlicht zu welche tief in den Raum kragen und dem Gebäude ihren auffalled gelungenen Fokuspunkt liefert. Die ringförmig angeordneten Innenstützen erlauben den notwendigen Drehpunkt für die variierenden Winkel der Trägerkonstruktion.
Fassade als technische Hülle
Die äußere Gebäudehülle wirkt kristallin und fasst das Volumen zusammen. Zwischen den vollverglasten Stirnseiten liegen V-förmige Wandscheiben, auf denen die Dachstruktur ruht. In den Werkstattbereichen öffnet sich die Konstruktion zu einem ebenso offenen, sichtbaren Holzfachwerk. Transluzenz entsteht hier durch die vorgelagerten Profilgläser, die dem Bau eine leichte, technische Anmutung verleihen und das Tageslicht tief ins Innere bringen.

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil
Auf dem begrünten Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit 150 Kilowattpeak Leistung, die rund 40 Prozent des jährlichen Energiebedarfs deckt. Das Gründach dient zudem als Regenwasserspeicher, verbessert das Mikroklima und kühlt die PV Module. Die zuvor versiegelte Parkplatzfläche wurde entsiegelt und in eine bepflanzte Parklandschaft überführt. Ein reduzierter Keller minimierte darüberhinaus den Aushub und Materialverbrauch bei der Konstruktion.
Das neue Ausbildungszentrum zeigt wie räumliche Präzision, nachhaltige Konstruktion und funktionale Offenheit zusammenwirken können. Der Bau wird damit zum technischen und sozialen Herzstück eines Campus, der die Zukunft des Maschinenbaus mitgestaltet.
