Ohne Schnörkel gebaut

Bos Arquitectes | Kindergarten Guillem Ballester i Cerdó, Muro, Mallorca, Spanien

Bos Arquitectes hat in Muro eine Tagesstätte für Kleinkinder entworfen, die sich durch ihre wohnliche Atmosphäre sowie sichtbare Naturmaterialien auszeichnet. Das Gebäude besticht durch sein Gewölbedach und einen zentralen Innenhof, der als Freiluftaula dient. Mit seinen Passivhaus- und CO₂‑Reduzierungsstrategien fügt sich das Projekt nahtlos in die zeitgenössische balearische Architektur ein.

Wir treffen uns mit Margalida Seguí und Miquel Barceló in Muro vor dem Kindergarten für die Kleinsten im Alter von null bis drei Jahren. Es ist April, und es ist praktisch der erste warme Tag des Jahres auf Mallorca. Mit dem Einzug des Frühlings gewinnt der zentrale Innenhof des Kindergartens an Bedeutung, da er ihn um eine Freiluftaula erweitert. Es ist ein Innenhof mit klimatisierender Funktion, aber auch ein vielseitiger, geschützter Aufenthaltsraum und zum Zeitpunkt unseres Besuchs voller Zweijähriger, die fast so groß sind wie die neu gepflanzten Orangenbäume. Das Gebäude ist um den Innenhof herum angeordnet. „Das gesamte Gebäude wurde aus der Perspektive eines Kindes entworfen“, sagt Margalida Seguí. „Wir haben lange und intensiv darüber nachgedacht, wie ein Kindergarten genutzt werden sollte“, fährt Miquel Barceló fort, „wir haben mehrere Kindertagesstätten besucht; viele von ihnen sind aus der Perspektive der Erzieher:innen entworfen, ihre Funktionalität ist für Erwachsene gedacht. Das hat uns gestört.“

Wohnlicher Maßstab, öffentlicher Zweck Der – durch die Baumaterialien und den Einfall von Tageslicht, vor allem aber durch die Proportionen und Abmessungen bedingte – wohnliche Maßstab der Innenräume lässt den Kindergarten wie ein Zuhause wirken. Er erinnert an die Proportionen der Architektur von Antonio Bonet i Castellana im Haus La Ricarda, mit ähnlichen Spannweiten und lichten Höhen: 2,5 Meter unter den Balken, ansteigend auf 3,5 Meter im mittleren Teil der Gewölbe. Das Gewölbedach ist zweifellos das zweite Schlüsselelement des Hauses. Als Holzkonstruktion modular aufgebaut, beherbergt es sowohl die Gruppenräume, die alle durch bewegliche Holzwände verbunden sind, als auch die Küche und die Servicebereiche. Ein Gebäude mit öffentlichem Zweck, wie es eben ein Kindergarten ist, aber mit wohnlichen Dimensionen. Kompakt und horizontal angelegt, mit einer Abfolge wellenförmiger Dächer. Die Architektur nutzt passive, CO₂-neutrale Strategien und schafft so eine warme, einladende Atmosphäre. Ist es ein Bildungsbau? Der Kindergarten präsentiert sich, wie er ist. Es gibt keine unter einer Verkleidung verborgenen Elemente; die Materialität ist sichtbar. . .


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