Susanne Zottl mit Daniel Kerbler

Brennhalle der Porzellanmanufaktur Augarten, Wien

Brennhalle der Porzellanmanufaktur Augarten, Wien; (c) Mario Buda

Der Brennhalle der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten verpassten Architektin Susanne Zottl und Daniel Kerbler eine elegante, vorgesetzte Fassade aus Zinkblech, die sich hochklappen lässt. Sie verbessert Temperatur und Lichtverhältnisse radikal.


 

Magischer Ort

Ein magischer Ort: Durchschreitet man das symmetrische Torgebäude an der Adresse Obere Augartenstraße 1 und folgt einem zentralen Weg durch eine barocke Gartenanlage, gelangt man direkt zur traditionsreichen Wirkungsstätte der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Diese präsentiert sich der Öffentlichkeit mit einem schmucken Museum in einem barocken Saalgebäude mit steilem Walmdach. Architektin Susanne Zottl hat es im Auftrag der Burghauptmannschaft Österreich 2011 behutsam saniert und umgebaut. Es wurde damals wieder auf die im ältesten erhaltenen Grundrissplan (um 1862) dokumentierte Symmetrie aus Mitteltrakt und flankierenden Sälen rückgeführt und an die neuen Nutzungen adaptiert. Nun beherbergt es im linken Flügel Gastronomie, in der Mitte die Kassa und rechts das Museum, in dessen Hauptsaal rund um einen imposanten, zweigeschossigen Brennofen die Decke geöffnet wurde. 

Brennhalle der Porzellanmanufaktur Augarten, Wien; (c) Mario Buda

Die neue, gedämmte Brennhallen-Fassade mit ihrer faltbaren, hellgrauen Zinkblechhaut

So sind nun die ganze Höhe des Saales und das Volumen des runden, gemauerten Ofens spürbar, dessen schwarz verkohltes Inneres man auch betreten kann. Seine dicken Wände sind mit starken Stahlbändern verstärkt und lassen sich dank der Galerie auch umschreiten.

Dieses Gebäude sitzt mitten im Garten, gleich daneben sind die Sängerknaben.

Architektin Susanne Zottl

Zugige Produktionsstätte

Dieser Ofen war bis in die 1950er Jahre in Betrieb und verweist auf einen wesentlichen Bestandteil der Porzellanmanufaktur: Die Brennhalle, die sich nur einen Durchgang entfernt im anschließenden Trakt befindet. Sie war ein energetischer Problemfall, den die Burghauptmannschaft wieder vertrauensvoll in die Hände von Susanne Zottl legte. Sie löste die Bauaufgabe gemeinsam mit Daniel Kerbler. Die Brennhalle wurde in den 1950er Jahren im rechten Winkel an das Saalgebäude direkt an dessen rückwärtigen Seitenflügel angebaut: 45,01 Meter lang, knapp vier Meter hoch, gleitet sie direkt am Seitenflügel entlang, steht sogar ein wenig vor und lugt frech ein Stück weit vor die schöne, barocke Hauptfassade. Die Halle war ein reiner Zweckbau und ein typisches Kind ihrer Zeit: Die Längsseite im Südosten und die 7,39 Meter schmale Fensterfront im Südwesten, von der am Eck die Figurenabteilung eingefasst wird, waren ungedämmt. Zwischen den tragenden Sichtbetonpfeilern gab es nur eine gemauerte Brüstung, darüber hohe Fenster. 

Brennhalle der Porzellanmanufaktur Augarten, Wien; (c) Mario Buda

Die traditionsreiche Wirkungsstätte der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten 

Sie waren später mit Zweifach-Isolierglas aufgerüstet worden, jedoch längst undicht. Als Sonnenschutz genügte eine simple Außenjalousie. Im Sommer wurde es extrem heiß, im Winter umso kälter. Die an und für sich ästhetisch sehr ansprechende, weiß gestrichene Betonrippendecke der Halle hatte eine Deckenstärke von gerade 7 cm und war lapidar mit einer Bitumenbahn gedeckt. Die Halle war schon sehr abgenutzt. „Es gab Stellen in der Wand, da hat man einfach durchgesehen“, erinnert sich Daniel Kerbler, der gemeinsam mit Susanne Zottl an einem neuen Fassadensystem tüftelte.


Daten zum Projekt

Nutzfläche: 525 m²

Bebaute Fläche: 593 m²

Umbauter Raum: 2.899 m³

Planungsbeginn: 2016

Baubeginn: 05 / 2017

Fertigstellung: 12 / 2018

Baukosten (netto): 760.000,- EUR

Bauherr: Republik Österreich; Burghauptmannschaft Österreich, Hofburg, Schweizerhof, 1010 Wien

Generalplanung: Susanne Zottl, Architektin, Mag. arch., M. arch., Aslangasse 10/2/5, Probusgasse 27, 1190 Wien 
mit Mag. arch. Daniel Kerbler

Projektleitung: Mag. arch. Daniel Kerbler

Mitarbeiter: Mag. arch. Daniel Kerbler, Mario Buda

Statik: DI Reinhard Schneider, Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen, Wien

Bauphysik: IPJ Ingenieurbüro P. Jung GmbH, Wien

Kostenermittlungsgrundlagen: PlanB ZT-GesmbH, Baden b. Wien

Die Brennhalle der Porzellanmanufaktur Augarten

Planung Sickerschacht: DonauConsult Ingenieurbüro GmbH, Wien

Installationstechnik: Aigner Energie Contracting GmbH, Ing. Aigner Wasser-Wärme-Umwelt-GmbH, Neuhofen

Fassaden (Holzbau, Spenglerarbeiten): Graf-Holztechnik GmbH, Horn

Dach (Holzbau, Dachabdichtungsarbeiten): Graf-Holztechnik GmbH, Horn

Baumeisterarbeiten inkl. Sichtbetonarbeiten: Leyrer+Graf Baugesellschaft m.b.H., Wien

Stahlbau, Fenster, Oberlichten, Sonnenschutz: Planstahl GmbH, Pöllau

Außenanlagen: Citygreen Gartengestaltung GmbH, Wien

Sickerschacht: Geobohr Brunnenbau GesmbH, Obersiebenbrunn 

Elektroinstallationen: Elektro Rabl, Wien

Sanitär (Dachentwässerung): Ing. Stefan Fuhrmann e.U., Wien

Blitzschutz: LIPOVEC GesmbH, Wien

Malerarbeiten: Maler Schmied GmbH, Wien

Parapetabdeckung innen: Jirka GmbH&CoKG, Wien

Ausschnitt des barocken Saalgebäudes Augarten

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