Geschwungene Linie durch die Landschaft

Buro Landschap | Cycling between Terrills, Nationalpark Hoge Kempen, Belgien

Mitten im belgischen Nationalpark Hoge Kempen, zwischen ehemaligen Bergbauhalden, schwebt eine Brücke über dem Wasser. Das Projekt „Cycling between Terrils“ von Buro Landschap sollte weit mehr als eine funktionale Radverbindung sein: Ziel war eine räumliche Erfahrung, die Infrastruktur, Natur und Identität miteinander verknüpft.

Landschaft als Ausgangspunkt

„Wir sind keine klassischen Brückenbauer:innen“, betont Pieter Daenen von Buro Landschap im Gespräch. „Wir sind Landschaftsarchitekt:innen und nähern uns jedem Projekt mit großem Respekt vor dem Ort und allem, was diesen umgibt.“ Ausgangspunkt für „ Cycling between Terrils“ – auf Deutsch so viel wie „Radfahren zwischen den Halden“ – war der Auftrag, zwei Städte per Radweg miteinander zu verbinden. Eine frühere Idee sah eine geradlinige Brücke vor. Doch die Provinz Limburg, Initiatorin mehrerer spektakulärer Radinfrastrukturprojekte, wollte mehr als reine Funktion. Die Erfahrung sollte im Mittelpunkt stehen. Die Antwort von Buro Landschap war eine organische, geschwungene Form, inspiriert vom Prinzip der Fibonacci-Spirale. „Sie hat uns geholfen, zu einer einfachen, aber organischen Lösung zu kommen.“ Die geschwungene Form erzeugt eine 360-Grad-Wahrnehmung. Wer die Brücke betritt, erlebt die Halden, das Wasser und den Himmel als einen zusammenhängenden Raum. Die industrielle Vergangenheit dieser Hügellandschaft spielte dabei eine untergeordnete Rolle. „Für mich ist das heute Natur“, so der Architekt. Die Halden sind längst Teil des ökologischen Gefüges, und genau dieses Gefüge sollte gestärkt, nicht überformt werden.

Technische Herausforderungen

Die Brücke ist als Pontonkonstruktion ausgeführt und schwimmt auf dem See. Eine der größten Herausforderungen war die stark schwankende Wasserhöhe. Diese variiert bis zu anderthalb Meter zwischen Sommer und Winter. Angesichts der zunehmenden Extremwetterereignisse mussten verschiedenste Szenarien berechnet werden, die weit über Normalzustände hinausgehen. Die geschwungene Form erwies sich dabei nicht nur als besonders ästhetisch, sondern auch konstruktiv als Vorteil. Wind- und Wellenkräfte verteilen sich entlang der Kurven besser und lassen das Bauwerk elastisch reagieren. Die Anschlusspunkte an Land funktionieren wie bewegliche Gelenke, die vertikale Bewegungen zulassen. Alle Details wurden intensiv diskutiert: Die Geländerstäbe erfüllen strenge Normen, bleiben jedoch transparent genug, um den visuellen Bezug zur Landschaft zu erhalten. Die Deckoberfläche besteht aus regionalen Maaskieseln, ein Material, das nur wenige Kilometer entfernt gewonnen wird. So bleibt die Brücke materiell mit ihrem Kontext verbunden.

Bauen im sensiblen Naturraum

Das Projekt liegt am Rand des einzigen Nationalparks Belgiens. Entsprechend eng war die Abstimmung mit Behörden und ökologischen Fachleuten. Im Büro selbst arbeiten Vegetations- und Biologiespezialist: innen mit. Die Bauzeit vor Ort wurde mit lediglich vier Monaten bewusst kurz gehalten. Unterhalb der Konstruktion wurden kleine Hohlräume integriert, die Fischen als Laich- und Rückzugsorte dienen. Auch angrenzende Waldflächen wurden so gestaltet, dass sie dichter nachwachsen können als zuvor. „Wir haben versucht, an anderer Stelle Raum für Natur zurückzugeben“, erklärt Pieter Daenen. . .

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