Umbau als gemeinsame Aufgabe⁠

Caramel architektinnen | Caramel Carage, Wien, Österreich

Der Umbau des Büros von Caramel architektInnen steht exemplarisch für einen selbstverständlichen Umgang mit dem Bestand. In einem ehemaligen Hinterhofgebäude mit vielschichtiger Geschichte entsteht eine offene, gemeinschaftliche Arbeitsumgebung, die Weiterbauen als Haltung begreift – räumlich, materiell und organisatorisch.

Ausgangspunkt ist ein unscheinbarer Hinterhofraum mit langer Geschichte: einst Garage, Werkstatt, Kutschenlager und Stallung, später ein Ersatzneubau aus den 1930er-Jahren, in dem Autos untergebracht waren – ein Raum, der über Jahrzehnte dem Verkehr diente und im Hintergrund blieb.

Prägend für den Bestand ist das Tonnengewölbe mit rund sechs Metern lichter Höhe und drei großzügigen Oberlichten. Die zentrale Aufgabe bestand darin, aus diesem leeren Volumen eine zeitgemäße Arbeitswelt zu entwickeln, ohne den Raum zu überformen. Die Planung begann daher mit grundlegenden Fragen: Wo wird gearbeitet, wo diskutiert, wo konzentriert gedacht oder gemeinsam gegessen? Wo braucht es Rückzug, wo Offenheit?

Offene Arbeitslandschaft in der Carage mit fließenden Übergängen, Tageslicht und viel Begrünung im Inneren.

Statt vertikaler Trennung wie im früheren Büro entschieden sich Caramel architektInnen für eine gemeinsame Ebene – für kollektives Arbeiten ohne Hierarchien. Diese Haltung spiegelt sich auch im Umgang mit Materialien wider: Re-Use wird hier als konkrete Praxis verstanden. An vielen Stellen wurde mit vorhandenen, gebrauchten und gefundenen Materialien gearbeitet. Besonders auffällig sind die Deckenoberflächen, die mit Zellulose versehen wurden, um den Schall in der großen Halle zu dämpfen.

Der Umbau wird so zum räumlichen Ausdruck einer Arbeitsweise, die Nachhaltigkeit, Neugier und Offenheit verbindet. Kleinmaßstäbliche Zonen für Modellbau und konzentriertes Arbeiten werden gleichmäßig und natürlich durch die Oberlichter des Bestands erhellt. . .

 

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