Caruso St John Architects - Lycée Hôtelier de Lille

Spuren des Vergangenen Die englischen Architekten Caruso St John sind für ihre Kritik an der „Tyrannei des Neuen“ bekannt. In der ehemaligen Industriestadt Lille zeigen sie, wie man die Atmosphäre vergangener Zeiten produktiv für zeitgenössische Stadtfunktionen nutzen kann.

 
Leere Kathedralen der Industrie

Lille, lange eines der größten Industriezentren Frankreichs, verzeichnete ab den 1970er Jahren einen unaufhaltsamen Niedergang. In einem raschen Prozess der Deindustrialisierung schlossen riesige Fabriken (Spinnereien, Maschinenbau):  Gigantische industrielle Brachen durchziehen heute das Banlieue von Lille. Der im Norden gelegene Stadtteil Fives hat die Auswirkungen dieses Wandels mit voller Wucht zu spüren bekommen: In den 1960er-Jahren waren bis zu 5000 Arbeiter in den riesigen Fabrikhallen von Fives-Cail-Babcock (FCB) beschäftigt, einem der führenden europäischen Unternehmen im Schwermaschinenbau. Dreißig Jahre später schloss die Fabrik ihre Tore und ließ inmitten einer Arbeitervorstadt, die rund um den Betrieb entstanden war, große leere und stille Hallen zurück. Zehn Jahre lang sollte die Anlage geschlossen, verlassen, unzugänglich bleiben. Beinahe vergessen. Und der Stadtteil Fives schien zu einem langsamen sozialen Niedergang und zur Schrumpfung verurteilt zu sein. (...)