Wespi de Meuron Romeo Architekten

Casa ca., Ascona

Casa ca., Ascona, Wespi de Meuron Romeo Architekten | Foto: Hannes Henz

Taktvolle Intervention In der italienischsprachigen Schweiz realisierten Markus Wespi, Jérôme de Meuron und Luca Romeo einen Umbau, der historische und moderne Materialien sinnlich miteinander kombiniert. Mit der 2017 fertiggestellten Casa ca. entstand eine Oase, die die traditionelle Tessiner Baukultur vitalisiert und das Einfamilienhaus neu im regionalen Kontext verortet.


Charakter finden Eine grandiose Sicht auf den Lago Maggiore und die majestätischen Berge, imposante Palmen und ein mediterranes Flair: Die Lage der Casa ca. ist exklusiv. Sie erinnert an den nahen Monte Verità, der als Sehnsuchtsort einer arkadischen Landschaft und alternativen Welt diverse Pazifisten, Künstler oder Querdenker nach Ascona brachte. Ein Leben im Einklang mit der Natur galt als eines der obersten Prinzipien. Doch dieses romantische Bild entspricht nicht der Realität.

Die Siedlungsfläche des ehemaligen Fischerdorfes mit seinem intakten historischen Kern dehnte sich ab 1960 vor allem gegen Norden aus, so dass die mehrheitlich anspruchslose Agglomeration nun mit der Nachbarsgemeinde Locarno verschmilzt. Die in Hanglage errichtete Casa ca. ist im Westen unmittelbar an das alte Zentrum angebunden. Anders als in der Tessiner Natur sind idyllische Momente selten: Im Quartier dominieren triviale Bauten, denen es an gemeinsamen Qualitätsmerkmalen fehlt. Ein typisches Element bilden aber die hohen Stützmauern – und genau hier setzten Wespi de Meuron Romeo Architekten bei ihrem Umbau an. Sie orientierten sich am traditionellen Natursteinmauerwerk, erhoben es zum ästhetischen Leitmotiv und transformierten das eher uninteressante Haus aus den 1960er-Jahren in eines mit ortsspezifischer Identität. Dabei artikulierte das Trio mit dem Stein nicht nur eine Referenz an die historischen Bauten im Tessin, sondern suchte auch den harmonischen Dialog mit der Natur. Die Casa ca. scheint den Geist des Monte Verità erneut zu entfalten – einfach architektonisch.

Nonchalant und nuancenreich Der Naturstein mit seiner haptischen Qualität bestimmt das Umbaukonzept entscheidend. So sind es im terrassierten Garten vor allem Trockenmauerwerke, die das Erscheinungsbild prägen. Gemeinsam mit den Palmen und dem Berg- und Seepanorama verleihen sie diesem Außenbereich eine romantische Note. Ein Teil des Mauerwerks ist mit traditionellem Rasapietra-Verputz gestaltet, wobei der aus der Fuge hervorquellende Mörtel auf dem Bruchstein verstrichen wird. Diese historische Technik zeichnet auch die Fassade des kubischen Hauses aus, mit der die Architekten einen feinfühligen Kontrapunkt zum Altbau setzten.

Diese historische Technik zeichnet auch die Fassade des kubischen Hauses aus, mit der die Architekten einen feinfühligen Kontrapunkt zum Altbau setzten.

 

 Casa ca., Ascona, Wespi de Meuron Romeo Architekten | Foto: Hannes Henz

Casa ca., Ascona, Wespi de Meuron Romeo Architekten | Foto: Hannes Henz

Farblich definierte sich dessen Anstrich als eine Mischung von Altrosa und Lavendel. Wespi, de Meuron und Romeo intervenierten zudem strukturell in den Bestand und durchbrachen insbesondere an der Südseite die Fassade. Dort bildet die punktuelle Anordnung der teils nur kleinen quadratischen Öffnungen eine verspielte Komposition, die an Le Corbusiers Chapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp erinnert. Davor liegen im Garten diverse Bodenplatten und stellen locker arrangiert ein formales Echo auf die tiefen Fenster dar. Eine solche Resonanz resultiert auch aus den orthogonalen Stahlelementen, die die verschiedenen Eingangsbereiche markieren. Weil das industrielle Material laufend Patina ansetzt, interagiert es visuell mit dem natürlichen Mauerwerk: Dessen Braun und Orange nehmen die Farbpalette des Steins auf und die gebrochene Struktur, die sich durch die Korrosion ergibt, korrespondiert mit der körnigen Qualität des Bruchsteins und Mörtels.

Casa ca., Ascona, Wespi de Meuron Romeo Architekten | Foto: Hannes Henz

Casa ca., Ascona, Wespi de Meuron Romeo Architekten | Foto: Hannes Henz

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