cp architektur | Generalsanierung Villa Beer Wien, Österreich

Mit der Villa Beer von Josef Frank und Oskar Wlach ist eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Wiener Moderne jetzt saniert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch wenn das Gebäude von 1930 in großen Teilen original erhalten war, glich die Sanierung durch die Villa Beer Foundation einer Tiefenbohrung in die Geschichte und Substanz der Architektur – inklusiver zahlloser Einzelfallenscheidungen.
Bauen ist meistens teuer. Aber manchmal darf es auch als Glücksfall der Architekturgeschichte gelten, wenn zu wenig Geld da ist. Dann nämlich, wenn den Eigentümer:innen eines historischen Gebäudes die Mittel fehlen, um zu renovieren – und es deshalb über Jahrzehnte im Originalzustand konserviert wird. So geschehen bei der Villa Beer in Wien-Hietzing, die von 1941 bis 2008 im Besitz der Familie Pöschmann war. „Sie hatten nie das Geld, es zu modernisieren“, sagt der neue Hausherr Lothar Trierenberg. „Die Heizung wurde nicht erneuert, die Bäder wurden nicht erneuert, die Fenster und die Fußböden auch nicht. Das sind die wesentlichen Teile, die sonst oft zerstört werden“, so Trierenberg weiter. Um das Haus halten zu können, unterteilten die Pöschmanns die rund 900 Quadratmeter Fläche über die Jahre in mehrere Wohnungen, die sie vermieteten, ohne jedoch die Substanz nennenswert zu beschädigen. Trierenberg erwarb die von 1929 bis 1930 von Josef Frank und Oskar Wlach erbaute denkmalgeschützte Villa im Jahr 2021 und ließ sie ab 2024 in Zusammenarbeit mit dem Büro cp architektur, spezialisierten Handwerksbetrieben und der Denkmalschutzbehörde sanieren. Mit März dieses Jahres ist eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Wiener Moderne als Hausmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich, getragen von der Villa Beer Foundation unter der Leitung von Lothar Trierenberg und der Kunsthistorikerin Katharina Egghart.

Eine neue Robinie wird gepflanzt, um die ursprüngliche Beziehung zwischen Haus und Garten wiederherzustellen. Photo: Stephan Huger
Sanierung als Diskussionsprozess
Muss der Sand im Putz eine Korngröße von zwei Millimeter haben wie bei der bauzeitlichen Fassade oder reichen auch sechs Millimeter? Stellt man die Elektrik auf dem technischen Stand von 1930 wieder her oder zieht man in die alte Leitungsführung ein zeitgemäßes KNX-System? Baut man neue Heizkörper ein oder lässt man die alten überarbeiten? Beim Rundgang mit Lothar Trierenberg und Katharina Egghart durch die Baustelle kurz vor der Eröffnung wird klar, dass so ein Vorhaben vor allem eines bedeutet: viele Entscheidungen. Der Sand wurde schließlich per Hand gesiebt für die kleine Körnung, das KNX-System steuert die Haustechnik komfortabel am Tablet, und in Polen wurde eine Firma gefunden, die die Heizkörper herrichtete. Die Sanierung folgte keinem restauratorischen Dogma, sondern verstand sich als andauernder Diskussionsprozess unter allen Beteiligten. Mal fiel die Entscheidung zugunsten einer Rekonstruktion, wie bei den Lichtschaltern aus Bakelit, die in 3D-Technik nachgedruckt wurden. Mal ließ sich das Alte erhalten, wie bei den Heizkörpern, den Fensterprofilen oder dem Parkettboden. Und mal musste eine neue Lösung gefunden werden, wie bei der Küche, deren Originaleinrichtung verloren war. Weil die Stiftung die Villa für Veranstaltungen nutzen wird, brauchte es eine funktionale Küche. . .
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