Der im Zugangsbereich der Christian-Doppler-Klinik situierte Neubau vereint mehrere suchtmedizinische und -therapeutische Einrichtungen in Salzburg erstmals unter einem Dach. Zuvor im Verborgenen agierende Einrichtungen signalisieren mit dem markanten Klinikbau, dass die Hilfe für suchtkranke Menschen vom tabuisierten Rand in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist.

Text: Roman Höllbacher | Fotos: Markus Rohrbacher


Hinter der Zusammenlegung von Institutionen mit verwandten, aber keineswegs identen Aufgaben steht die Absicht, gezielt Synergien zu nutzen, sich dank kurzer Wege besser zu verständigen und – im Fall des Suchttherapiezentrums klar im Mittelpunkt –, die Betreuung der Patient:innen zu optimieren. Entsprechende Überlegungen, räumlich getrennte klinische und suchttherapeutische Einrichtungen an einem Standort zu vereinen, entstanden in Salzburg bereits Mitte der 2010er-Jahre. Zunächst dachte man noch daran, die bestehende Suchthilfeklinik an der Ignaz-Harrer- Straße, in den 1930er-Jahren als „Landes-Trinkerfürsorgeheim“ errichtet, zu renovieren und auszubauen. Rasch stellte sich jedoch heraus, dass das von Architekt Christoph Scheithauer unter der Prämisse einer Bestandssanierung entwickelte Konzept das gesetzte Ziel nicht erreichen konnte. Der Blick richtete sich sodann auf den Großparkplatz der Christian-Doppler- Klinik: eine Brache in Bestlage auf der der Suchthilfeklinik gegenüberliegenden Straßenseite. Im Besitz des Landes Salzburg, zwischen der Guggenmoostraße sowie einer Geländestufe am Rande der Klinik gelegen, bot er sich als Bauplatz für das neue Suchttherapiezentrum geradezu an.

Die Betonfassadenelemente umlaufen das gesamte Gebäude wie Bänder und strukturieren das Volumen horizontal. © Markus Rohrbacher

Freiraum mit Dopplereffekt Was im Nachhinein logisch klingt, berührt viele Interessen, die unter einen Hut zu bringen waren. In einem Ende 2019 durchgeführten kooperativen Verfahren mit allen Beteiligten – von der Bauträgerschaft über die Vertreter:innen der Einrichtungen des künftigen Suchttherapiezentrums bis zu den Architekt:innen – sollten die Möglichkeiten des Orts ausgelotet und die unbefriedigende Parkplatzsituation samt der unglücklichen Zufahrt zur Klinik gelöst werden. Diese programmatische Steilvorlage, so viel lässt sich sagen, konnte nicht in allen Belangen befriedigend gelöst werden. Für sämtliche städtebaulichen Beschlüsse und gestalterischen Weichenstellungen war die entscheidende Instanz der Gestaltungsbeirat der Stadt. Am Ende des kooperativen Prozesses stand eine mit „Szenario 2050“ titulierte Neukonzeption des Areals, die Lage und Dimension von Suchttherapiezentrum, Parkhaus (Architekt Johannes Schallhammer) sowie – als städtebauliches Wahrzeichen mit einer Realisierungsperspektive bis 2050 – eines Hochhauses ( Architekt Ludwig Kofler) festlegt. Für die zwischen den Baufeldern liegenden Freiräume wurde ein eigener Wettbewerb mit sechs Teilnehmer: innen ausgelobt, den die Künstlerin Sofia Dona gewann. Ihre Visualisierung des Doppler-Effekts mit hellen und dunklen Bodenbelägen sowie mit Rosenund Blumenrabatten in konzentrischen Kreisen, geformt wie von einem ins Wasser geworfenen Stein, erschließt sich am besten von hoch oben, aus dem Neubau oder – nach einem Update – über Google Earth.

Breite, helle Gänge mit Holz- und Farbakzenten vermitteln Orientierung und Ruhe. © Markus Rohrbacher

Die Ausgabetheke kombiniert warme Materialien mit funktionaler Klarheit. © Markus Rohrbacher

Ablesbares Volumen Die Vielzahl an Funktionen mit ambulanten und stationären Klinikbereichen unterschiedlicher Träger, mit Verwaltung und Beratungseinrichtungen könnte leicht in einem unübersichtlichen Bauwerk resultieren, das diese Komplexität in einem chaotischen Äußeren abbildet. Dieser Gefahr begegnet Scheithauer, indem er die mannigfaltigen Aufgabebereiche im einzigen, gut gegliederten Volumen vereint. Auf einen dreigeschossigen L-förmigen Sockel sattelt er zur Guggenmoosstraße hin zwei und an der Geländestufe zur Klinik noch einmal drei Geschoße....


 

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