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Dach oder Wand Ein Gewerbebau in einem Gewerbepark ist für jeden Architekten eine gestalterische Herausforderung: Mit ihrer typisch subtilen Präzision schaffen es die Baukünstler um Gernot Hertl einmal mehr, den ländlichen Alltag in eine neue ästhetische Dimension zu führen.


Subtiles im Gewerbepark

Es gibt Gegenden, deren wichtigste Qualität der Autobahnanschluss ist, dicht gefolgt von der variablen Größe der Grundstücke und einem ebenen Gelände. Städtebau erschöpft sich hier gewöhnlich in der umstandslosen Aufschließung der Bauplätze, während der architektonische Ausdruck der einzelnen Objekte zwischen völliger Gleichgültigkeit und laut überschießendem Wollen schwankt. Mit dem Neubau der Firmenzentrale des Unternehmens Dach und Wand im oberösterreichischen Eberstalzell zeigen Hertl Architekten, dass es auch im rauen Umfeld der Gewerbeparks möglich ist, eine Architektur zu entwickeln, die allen Ansprüchen an Funktionalität und Marketingstrategien gerecht wird und gleichzeitig für Mitarbeiterinnen und Kundinnen ein ebenso alltagstaugliches wie inspirierendes Umfeld schafft.

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Die Kompetenz des Unternehmens – Professionisten an einem Ort sämtliches Material zur Herstellung von Fassaden und Dächern anzubieten – deckt sich mit seinem Namen: Dach und Wand. Es lag daher nahe, auch die Hülle des Firmengebäudes unter dieses Motto zu stellen. Das stets reizvolle Spiel mit der Frage „Wie weit reicht die Wand, wo beginnt das Dach?“, das ja nicht zuletzt durch die vielseitige Eignung heutiger Technologien am Laufen gehalten wird, findet hier also vor einem durchaus handfesten Hintergrund statt. Die Fassade des Gebäudes, das neben seinen großzügig dimensionierten Lagerflächen auch den Kundenempfang, einen Schauraum, Büros, Schulungsräume und alle notwendigen Nebenräume umfasst, wird von grauen, gewellten Faserzementplatten gebildet. Sie ist um ein Geschoss vom Boden abgehoben, schließt an der Oberkante mit Firstelementen ab und hat mit Ausnahme eines Fensterbandes an der Westseite keine Öffnungen. Dieser klar begrenzte, in seiner Funktion aber – sehen wir ein Haus oder doch ein Dach? – subtil in Schwebe gehaltene Körper ruht auf einem Erdgeschoss, dessen Färbung alle dem Betrieb geschuldeten Notwendigkeiten ohne Preisgabe gestalterischer Ansprüche möglich macht. Glasfassaden und Hallenwände aus Metallpaneelen, Einfahrten, Laderampen, Zugänge und Stiegen: alles geht, nicht selten durch Rücksprünge hinter die Flucht der Fassade vor Witterung geschützt, im Schwarz des Sockels auf. (...)

 

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Logik, Ordnung, Schönheit

Die so geschaffene Ordnung schlägt sich nicht zuletzt in einer Zeichenhaftigkeit nieder, die nicht nur dem Sitz der Firma Dach und Wand selbst ohne zusätzliche Maßnahmen Unverkennbarkeit verleiht, sondern auch die Wege auf dem Gelände eindeutig lenkt. Das rechtwinkelige Gebäude erhebt sich, um die Tiefe des Mitarbeiter- und Kundenparkplatzes von der Straße im Westen abgerückt, so nah wie möglich parallel zur südlichen Grundgrenze. Es kann beidseitig von LKW umfahren werden. Das Freilager befindet sich hinter dem Haus. Das Fensterband, das den grauen Dach-Wand-Körper an seiner der Straße zugewandten Seite von links nach rechts durchschneidet, weist den Weg zu den Büros und betont ein weiteres Mal die große Form des aus einzelnen Teilen unterschiedlichster Beschaffenheit komponierten Ganzen.

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