Im nachhaltigen Schlagabtausch

DeRoche Projects | Backyard Community Club, Accra, Ghana

Sie kommen, um zu spielen, zu bleiben, um zu lernen. Im dichten Stadtviertel Osu in Accra, der Hauptstadt von Ghana, hat das Büro DeRoche Projects mit dem Backyard Community Club einen Ort geschaffen, der mehr ist als eine Sportanlage. Auf einer kompakten Fläche verbindet das Projekt einen Tennisplatz mit Bildung, Gartenbau und Gemeinschaft. Es ist ein Labor für die Zukunft des öffentlichen Raums in Westafrika und zugleich das erste Gebäude Ghanas, das ein System aus vorgefertigtem Stampflehm einsetzt. Wie kann Architektur hier soziale Wirkung entfalten, wo Stadtwachstum und Klimakrise einander begegnen?

Architektur als soziales Werkzeug

Das Projekt reagiert auf einen Mangel an öffentlichen Freizeit- und Grünflächen in Accra. Statt eines geschlossenen Sportclubs entsteht ein offener Raum, der Lernen, Bewegung und Begegnung zusammenführt. Im Zentrum liegt der Tenniscourt, gebaut nach internationalen Standards und zugleich für alle zugänglich. Kinder aus der Nachbarschaft erhalten hier kostenlosen Unterricht, während Jugendliche unter professionellen Bedingungen trainieren können.

Rund um das Spielfeld organisieren sich Umkleiden, Duschen und kleine Aufenthaltszonen, einfach konstruiert, aber präzise gestaltet. Licht, Luft und Schatten prägen die Atmosphäre, während eine rhythmisch gegliederte Hülle aus vier Meter hohen Stampflehmplatten das Ensemble fasst. Diese vorgefertigten Elemente erzeugen einen Wechsel von Offenheit und Schutz, lassen Wind und Licht zirkulieren und verleihen dem Ort eine ruhige Präsenz.

Bauen mit Erde

Das Material ist nicht nur Ausdruck, sondern Konzept. Stampflehm hat in Ghana eine lange Tradition, wird jedoch selten in moderner Architektur eingesetzt. DeRoche Projects hat das Prinzip weiterentwickelt: Die Elemente werden industriell vorgefertigt, transportiert und auf der Baustelle montiert. Dadurch reduziert sich die Bauzeit, der Materialverbrauch sinkt, und die Qualität bleibt konstant.

Das System erlaubt eine skalierbare und klimafreundliche Bauweise, die sich an lokale Arbeitsprozesse und Transportbedingungen anpasst. Die massive, atmungsaktive Struktur ersetzt Betonwände, speichert Wärme und reguliert das Raumklima. Regenwasser und Grundwasser werden über ein Kreislaufsystem gesammelt und zur Bewässerung genutzt.

Lernen von der Natur

Hinter dem Platz erstreckt sich ein 230 Quadratmeter großer Garten mit über zwanzig essbaren und heilenden Pflanzenarten. Hier wachsen Guaven, Bananen, Zitronengras, Pfefferminze, Soursop und Kokos. Der Garten dient der Regeneration nach dem Training, aber auch als Lernfeld. Kinder und Jugendliche pflanzen, pflegen und ernten, bereiten Säfte oder Mahlzeiten zu und erfahren, wie ökologische Verantwortung Teil des Alltags werden kann.

Der Garten ist dabei bewusstes Teil des Programms. Er verbindet Ernährung, Bewegung und Bildung. Abends verwandelt sich der Ort in eine Bühne für Filme oder Gespräche, manchmal auch in einen Treffpunkt für Nachbarschaftsfeste. Das Projekt zeigt, wie Landschaft und Architektur gemeinsam soziale Räume schaffen können.

Nachhaltigkeit als System

Die technische Ausstattung folgt einer klaren ökologischen Logik. Ein unterirdischer Wasserspeicher versorgt sowohl den Platz als auch die Vegetation. Auf Zementputze wurde verzichtet, stattdessen sorgt eine natürliche Erdschlämme für atmungsaktive Oberflächen. Die Nebenräume kommen ohne Klimaanlage aus, natürliche Belüftung und Tageslicht übernehmen die Arbeit.

Diese Strategie macht das Projekt unabhängig von städtischer Infrastruktur und reduziert den Energieverbrauch deutlich. Das Ziel ist ein in sich geschlossenes, wartungsarmes System, das in seiner Einfachheit überzeugt und leicht übertragbar ist. Es dient als Modell für andere Regionen mit ähnlichen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Ein Prototyp für Stadtentwicklung

Der Backyard Community Club versteht sich als Vorschlag, wie Architektur im Kontext afrikanischer Städte Verantwortung übernehmen kann. Durch die Kombination von Sport, Bildung und nachhaltiger Bauweise wird ein Raum geschaffen, der Wissen teilt, Ressourcen achtet und Gemeinschaft stärkt.

Die Anlage zeigt, dass Innovation nicht im Widerspruch zu Tradition stehen muss. Sie übersetzt lokale Materialien und Baukultur in ein zeitgemäßes System und eröffnet Perspektiven für eine Baupraxis, die sozial und ökologisch zugleich ist. In einer Stadt, die sich rasant verdichtet, wird der Backyard Club zu einem Ort zwischen Körper und Geist, Stadt und Natur, Gegenwart und Zukunft.

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