Dietrich | Untertrifaller Architekten mit Atelier d’Architecture Christian Zoméno – Kunsthochschule ENSAD Nancy

Nonkonformistisch eingefügt – Das Gebäude der Hochschule für Kunst und Design interpretiert die Vorgaben des Masterplans für den Universitätscampus ARTEM in Nancy auf eigenständige Weise und setzt damit einen beruhigenden Akzent am Abschluss einer farbenfrohen Zeile.

Im Maßstab der Stadt

Um Form und räumliche Organisation der von Dietrich | Untertrifaller und dem Atelier Christian Zoméno geplanten Kunsthochschule ENSAD (École nationale supérieure d’art et de design) nachzuvollziehen, bedarf es zunächst eines Blicks auf das Umfeld und den Masterplan für den Campus ARTEM, der aktuell als Frankreichs bedeutendstes universitäres Bauvorhaben außerhalb der Île-de-France gilt. Das Kürzel (für „Art, Technologie, Management“) bezeichnet die um das Jahr 2000 geschlossene Allianz der drei Universitäten für Kunst, Ingenieurwesen (École des mines) und Management (ICN Business School). Zusätzlich beheimatet der Campus weitere Bildungs- und Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel das Materialforschungszentrum Institut Jean Lamour. Im Geiste der École de Nancy, der stadtbildprägenden Jugendstil-Bewegung, die sich durch die enge Zusammenarbeit von Künstlern, Industriellen und Kaufleuten auszeichnete, sollen Synergien zwischen den einzelnen Disziplinen geschaffen werden.

Der Bauplatz liegt auf dem Gelände der ehemaligen Molitor-Kasernen, südlich der Altstadt und unweit des Jugendstilviertels Saurupt entlang der Rue Sergent Blandan, die durch das weitläufige Areal der Blandan-Kaserne nördlich des Campus weiterhin militärisch geprägt ist. Im 2006 entschiedenen städtebaulichen Wettbewerb setzte sich der Vorschlag der vor allem wegen seiner zahlreichen öffentlichen Bauten bekannten Agence Nicolas Michelin & Associés (ANMA) gegen die weitere zum Wettbewerb zugelassene Prominenz wie Herzog & de Meuron, OMA/Rem Koolhaas  und Dominique Perrault durch. Der Ansatz ist durchaus plausibel und auch schlüssig mit dem inhaltlichen Konzept: eine 300 Meter lange Galerie aus Stahl und Glas wirkt als Schnittstelle zur Stadt und verbindet die einzelnen Universitäten, die laut Masterplan jeweils aus zwei Haupttrakten bestehen sollen. Einer davon, genannt „maison-signe“ fungiert mit geneigtem Dach als ikonisches, adressbildendes Hauszeichen im wahrsten Sinn des Wortes. Als Reaktion auf den städtebaulichen Maßstab – das Gegenüber sind für Nancy typische, schmälere, zwei- bis viergeschossige Stadthäuser – und eine heutige Antwort auf die großartigen städtebaulichen Ensembles wie die klassizistische Place Stanislas oder die Place Carrière in der Altstadt argumentiert Nicolas Michelin die Kombination aus kleinteilig strukturierter Gebäudezeile und verbindender Großform. Er selbst zeichnet neben der städtebaulichen Regie für die Galerie auch für die Gebäude der ersten Bauetappe im südlichen Segment – Ingenieurhochschule, Institut Jean Lamour sowie das Haus der Sprachen und Kulturen –verantwortlich. Den Mittelteil mit ICN Business School, Mediathek und Haus der Studenten planten Lipsky + Rollet Architectes aus Paris. Den Realisierungswettbewerb für die Kunsthochschule am nördlichen Abschluss zur Rue Vauban entschieden Dietrich | Untertrifaller gemeinsam mit dem in Nancy ansässigen Atelier Christian Zoméno für sich. (...)