Diller Scofidio + Renfro (DS+R) | V&A East Storehouse, London, England

Mit dem V&A East Storehouse im Queen Elizabeth Olympic Park in London beginnt ein neues Kapitel der Museumsgeschichte: Das Victoria and Albert Museum öffnet erstmals seine Lagerhalle für die Öffentlichkeit. Roh und authentisch reihen sich die Objekte endlos aneinander – ohne Einordnung nach Epoche, Künstler:in oder Kulturkreis, inspiriert von den Kunst- und Wunderkammern vergangener Zeiten.
Text: Nina Lorein | Fotos: Hufton + Crow
Die Öffentlichkeit kann Objekte aus der Sammlung bestellen und unter Aufsicht von Museumsmitarbeiter:innen genauer betrachten oder sogar anfassen.
Die frühen Anfänge der Museumsgeschichte waren von Kunst- und Wunderkammern dominiert. Private Sammlungen zeigten die Ausstellungsobjekte dicht an dicht in scheinbar willkürlicher Anordnung und waren dem Adel oder vermögendem Bürgertum vorbehalten. Der „Pöbel“ war von solcherlei Extravaganzen selbstredend ausgeschlossen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden Museen als öffentliche Institutionen und Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte sich das moderne Ausstellungsdesign, wie wir es heute kennen, der White Cube: weiße, kahle Wände und minimalistische Möblierung. Doch was einst die Konzentration auf die Kunst statt auf die Architektur fördern sollte, gerät seit einigen Jahren in die Kritik. Zu inszeniert, zu abgehoben, zu sehr aus dem Kontext gerissen. Und obwohl die meisten Sammlungen im Gegensatz zu den Kunstund Wunderkammern heute allen (zahlenden) Besucher: innen offenstehen, behalten alteingesessene Museumsbetriebe oftmals einen elitären Beigeschmack.
Wir haben die öffentliche Erfahrung des Storehouse- Projekts nicht nach den konventionellen Konzepten einer Museumsausstellung gestaltet, sondern nach der Logik von Lagerräumen, die von Natur aus auf Effizienz und optimale Raumnutzung ausgerichtet sind. Wir wollten die Gegensätzlichkeit und Authentizität dieser Typologie bewahren“, so David Allin, Leiter im New Yorker Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro (DS+R) und Projektleiter des V&A East Storehouse. Zusammen mit Austin-Smith:Lord als lokalem Partner setzten DS+R das V&A East Storehouse um. Für das zentrale Atrium des V&A East Storehouse, das sich im ehemaligen Sendezentrum der Olympischen Spiele 2012 befindet, haben DS+R den Kern des Bestandsgebäudes herausgeschnitten. Besucher:innen können sich hier orientieren und durchatmen, bevor sie wieder in die dichten Regalreihen eintauchen. Um den laufenden Museumsbetrieb nicht zu stören, wurden außerdem zwei Halbgeschosse eingefügt, die es der Öffentlichkeit ermöglichen, sich abseits der Wege für das Museumspersonal frei zu bewegen. Seit der Eröffnung des Lagerhauses im Mai 2025 fällt auf, dass die Besucher:innen mehr miteinander kommunizieren als in Museen üblich. „Das Lagerhaus wurde zu einem öffentlichen Ort. Da viele der Objekte nicht ausführlich beschriftet sind, müssen sich die Besucher: innen eigenständig mit den Exponaten auseinandersetzen. Das Publikum interagiert dadurch aktiver mit seiner Umgebung – es wird zu seinem eigenen Kurator“, erklärt David Allin...
Sie möchten weiterlesen? Dieser Beitrag ist Teil unserer Ausgabe 9/2025. Der Volltext ist ab Seite 16 zu finden.




