Ein Denkmal als Denkanstoss

Franz&Sue | Modellschule Gersthof Wien, Österreich

Wir wissen es längst: Umbauen ist das Gebot der Stunde. Einigermaßen solide errichtete Gebäude halten eben deutlich länger als die ihrer Errichtung zugrunde gelegten Nutzungskonzepte. Entsprechend komplex kann die Anpassung des Bestehenden an neue Bedingungen sein. Doch was viele abschrecken mag, macht anderen Freude: Mit seiner Umdeutung eines ehemaligen Spitals zum Bildungscampus Gersthof zeigt das Wiener Architekturbüro Franz&Sue, wie Komplexität die Inspiration beflügeln kann.

Luxus und Wert

Die von den Architekten Mautner und Rothmüller in den 1920er-Jahren als sogenannte Entbindungsanstalt errichtete, für kurze Zeit als Militärspital und später als orthopädisches Krankenhaus genutzte Anlage befindet sich inmitten eines durchgrünten Wohnquartiers in Wien-Gersthof. Nach der Absiedlung des Krankenhauses im Jahr 2019 weckten seine Lage im Stadtraum, die imposante Architektur und der mehr als eineinhalb Hektar große Park lukrative Entwicklungs-Fantasien für das Areal, die jedoch mit dem Verkauf an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) eingehegt wurden. Anstelle einer Privatisierung in der Gestalt von Luxuswohnungen wurde der Allgemeinheit die Nutzung ihres seit den 1920er-Jahren in seinem Wert enorm gestiegenen Erbes für die Zukunft gesichert. Dieses Erbe ist angesichts der denkmalgeschützten Gebäude und des stark herangewachsenen Baumbestandes auf Schritt und Tritt präsent. Das Wiener Architekturbüro Franz&Sue konnte mit dem Sieg des EU-weiten zweistufigen offenen Verhandlungsverfahrens ein weiteres Mal den sensiblen und dennoch beherzten Umgang mit historischer Bausubstanz als eine seiner Kernkompetenzen unter Beweis stellen. In konstruktiver Zusammenarbeit haben BIG, Bundesdenkmalamt, Schulbehörde und Architekturbüro die ehemalige Krankenanstalt zu einer Bildungseinrichtung umgedeutet, die gerade dem Park eine wesentliche Rolle zuweist.

Dem Grünraum zugewandt

Das Hauptgebäude gliedert sein Volumen in mehrere Baukörper, die in gestaffelten Höhen zueinander gestellt und von Loggien und Pergolen begleitet sind, was Assoziationen zum Pavillon-Typus entstehen lässt. Der damit verbundenen positiven Wirkung von Luft, Licht und Naturraum auf Menschen vertrauen wir auch heute noch gern, auch wenn sie nicht mehr die Erholung nach einer Geburt oder einer Knieoperation, sondern die Entwicklung von Kindern unterstützen soll. Franz&Sue setzt mit der Umformung zur Schule das bereits im Krankenhausbau angelegte Öffnen der Räume in den Park fort: Während die konstruktiv festgelegte zweihüftige Organisation der Grundrisse bestehen bleibt, werden die Mittelgänge durch das Weglassen von bestehenden Trennwänden zu hellen, vielfältig nutzbaren Räumen mit Aussicht ins Grüne aufgewertet. Eine besondere Aufwertung in diesem Sinne hat das Gartengeschoss erfahren, das durch das Absenken des Geländes an seiner Ostseite die für Aufenthaltsräume notwendigen Belichtungsflächen und einen ebenerdigen Ausgang ins Freie erhalten hat. . .

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Der ganzen Beitrag gibt es in unserer neuen Ausgabe von architektur.aktuell 1-2/2026 zu lesen.

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