Ein kooperatives Architekt:innen-Team hat im Münchner Stadtteil Freiham ein kleines Wohnensemble realisiert. Die verschiedenen Häuser vermitteln geschickt zwischen einheitlichem Erscheinungsbild und individuellem Ausdruck. Die Erschließung der Gebäude schafft zugleich informelle Begegnungsflächen.


Neues Stadtquartier

Der Stadtteil Freiham ist nicht nur Münchens neueste Stadterweiterung, sondern momentan auch das größte Neubaugebiet in Europa. Langfristig sollen hier rund 25.000 Menschen auf einer Fläche von 350 Hektar leben. Städtebaulich unterteilt sich Freiham in ein Gewerbegebiet im Süden und ein Wohnquartier im Norden. Für eine Durchmischung sollen Nachbarschaftstreffs, Kindertageseinrichtungen, Gewerbeflächen und eine Quartiersmitte mit Hotel, Büros, Nahversorgung und Stadtteilkulturzentrum sorgen. Weil der Grund im Besitz der Stadt bleibt, konnte sie die Grundstücke abschnittsweise an kommunale Bauträger, Genossenschaften und Baugemeinschaften im Erbbaurecht vergeben.

© 03 Arch., Lennard Zimmermann

© 03 Arch., Lennard Zimmermann

Mut zum Experiment

Gerade im genossenschaftlichen Wohnungsbau hat sich in München einiges getan. Beispiele dafür sind der Wohnungsbau San Riemo der Kooperative Grossstadt und das Quartier wagnisART von wagnis, in denen interessante neue Formen des Zusammenlebens entwickelt wurden. Auch in Freiham lassen sich vergleichbare Projekte finden. Ein Beispiel ist das Projekt der Genossenschaft Wogeno, an dem mehrere Architekturbüros unter der Federführung von 03 Arch. aus München beteiligt waren. Neben Vorgaben wie einem ökologischen und gemeinschaftsorientierten Bauen, sollte hier ein wirtschaftliches und trotzdem vielfältiges Wohnensemble entstehen. Deshalb wurde ein kooperatives Architekt:innen-Team beauftragt, das vor allem aus jüngeren Büros wie ENEFF und Westner Schührer Zöhrer aus München oder illiz mit Sitz in Wien und Zürich bestand. „Das Schöne am Entwurfsprozess war, dass wir vieles gemeinsam entwickelt haben“, erzählt Verena Fridrich von 03 Arch.

Neuer Bebauungsplan

Durch eine Änderung des ursprünglichen Bebauungsplans konnten die Architekt:innen eine neue städtebauliche Setzung realisieren. Diese besteht nun aus einem Riegel, einem Mäander mit Kopfbau und einem kleineren, etwas abgesetzten Punkthaus. Grund dafür war der Wunsch nach einem Quartiersplatz. Er dient als Entree für das kleine Ensemble, wie Verena Fridrich erläutert: „Eine der ersten Ideen war, dass wir einen zusätzlichen Bereich schaffen wollten, der sich zur Nachbarschaft öffnet. So ist der Vorplatz entstanden, der einerseits einen städtischen Charakter hat und andererseits eine Schwelle für den dahinterliegenden privaten Hofbereich darstellt.“ Der begrünte Innenhof hat einen angenehm informellen Charakter mit Hochbeeten und einem Matschloch für die Kinder. Der Quartiersplatz wird vorwiegend durch eine Eisdiele und einen Gemeinschaftsraum bespielt. An der Straße ergänzen mehrere kleine Gewerbeflächen das Angebot.

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