gmp Architekten | L35 Architects, Ribas & Ribas, Stadion Bernabéu, Madrid, Spanien

Der spanischen Kultur ist das Bedürfnis eigen, den Raum zu teilen, nach draußen zu gehen und Gemeinschaft zu schaffen. Zu diesem sozialen Geist gesellt sich die spanische Leidenschaft für Fußball, für viele eine Art moderne Religion, mit Ritualen, Idolen und natürlich auch mit Tempeln. Vor diesem Hintergrund ist die Neugestaltung des Bernabéu-Stadions durch gmp Architekten, L35 Architects und Ribas & Ribas zu sehen, deren Ziel war, diesen historischen Ort neu zu interpretieren.
Die beste Sportarchitektur ist jene, die sich in ihre Umgebung einfügt und deren symbolische Bedeutung würdigt. Für die Millionen von Real-Madrid-Fans ist das Bernabéu ihr Tempel der Verehrung, der Altar ihrer Identität und ihres kollektiven Gedächtnisses. Es ist aber zweifellos auch eine der größten touristischen Attraktionen der Stadt. Im Bewusstsein dieser Verantwortung beschloss der Verein eine ehrgeizige Umgestaltung, um ein über 75 Jahre altes Bauwerk in eine hochmoderne Veranstaltungsstätte zu verwandeln. Im Gegensatz zum englischen Modell, das Stadien an den Stadtrand verbannt, entstanden die großen historischen Stadien Spaniens mitten im Stadtzentrum. Das Bernabéu, gelegen am legendären Paseo de la Castellana, ist seit dem Erwerb des Grundstücks durch den Verein im Jahr 1944 ein imposantes Bauwerk. Das ursprüngliche Stadion wurde von Manuel Muñoz Monasterio und Luis Alemany Soler entworfen und am 14. Dezember 1947 eingeweiht. Dank des Umbaus wirkt es nun offener und wurde zu einer großen, multifunktionalen Arena mit 175.000 Quadratmetern. Die Herausforderung war enorm und wurde im Rahmen eines Fast-Track-Bauvorhabens umgesetzt, das es ermöglichte, die Arbeiten parallel zum laufenden Spielbetrieb des Vereins durchzuführen, sodass das Stadion Woche für Woche zur Verfügung stand.

Die Größe optisch auflockern
Um die Massivität der ursprünglichen Tribünen abzuschwächen, haben die Architekt:innen auf visuelle Leichtigkeit gesetzt, die die monumentale Größe des Gebäudes für die Passant:innen ausgleicht. So umhüllt eine dynamische und asymmetrische Fassade aus Edelstahllamellen das Areal. Diese Verkleidung fungiert zudem als durchlässiges Gitterwerk, das das notwendige Tageslicht für die Außenränge und die erforderliche Belüftung gewährleistet. Technisch gesehen sind die Lamellen mit einer Beschichtung versehen, deren Struktur Lichtreflexe absorbiert und verhindert, dass Verkehrsteilnehmer:innen oder Menschen in den umliegenden Gebäuden geblendet werden. So tritt das Bernabéu mit seiner Umgebung in Dialog: Tagsüber reflektiert das Metall das Licht und das Leben Madrids; nachts, wenn das Stadion beleuchtet ist, ermöglicht seine halboffene Struktur der Stadt einen Blick auf das Geschehen im Inneren. So fungiert es als neues städtisches Wahrzeichen.
Neugestaltung der städtischen Grenze
Aufgrund früherer Erweiterungen verfügte das Stadion über 57 Eingänge, hatte jedoch keinen klar erkennbaren Haupteingang. Die Architekt:innen haben nun einen großen Vorplatz unter einem zur Castellana hin auskragenden Dach geschaffen und dem Bernabéu damit die repräsentative Eingangssituation verliehen, die ihm fehlte. Im Außenbereich wurde die Mobilität durch eine Neuanordnung des Fußgänger:innenbereichs verbessert. An der Ostseite wird die Plaza de los Sagrados Corazones nach dem Abriss älterer Bauten umgestaltet, wobei wieder Platz für die öffentliche Nutzung frei wurde. . .
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