Grüntuch Ernst Architekten: Hauptbahnhof Chemnitz

Leuchtender Stadtbaldachin     

Eine perfekte Transformation eines Bahnhofs gelang Grüntuch-Ernst Architekten in Chemnitz. Als integraler Teil städtischen Raums inszeniert lädt nun der Hauptbahnhof Chemnitz zu sehr überraschenden Raumerfahrungen ein, die das Verweilen und Reisen im Bahnhof wieder zu einem Erlebnis werden lassen.

Technische Revolutionen   Als markante Orte des Übergangs – von der Sphäre des Reisens hinein in die Stadt – haben Bahnhöfe längst schon ausgedient. Als vor mehr als 25 Jahren die Deutsche Bahn ihr Verkehrssystem mit der Einführung von Hochgeschwindigkeitszügen revolutionierte, verwandelten sich vielerorts Bahnhöfe in „Kaufhäuser mit Gleisanschluss“, in abgeschlossene Einkaufswelten. Mit dem Wandel verschwand ebenfalls die alte Polarität des Zusammentreffens von technischer Eisenbahnwelt (Gleishalle) und städtischer Repräsentation (Bahnhofsgebäude) zugunsten oft hybrider Indoorwelten. Das jedoch der Bahnhof als ein integraler Teil öffentlich-städtischen Raumes begriffen und gestaltet werden kann, ging in der Entwicklung verloren.

Ein Bahnhof im Südosten Deutschlands demonstriert, dass dieser Typus auch im 21.Jahrhundert mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt sein kann, nämlich ein offener Raum der Begegnung zwischen Stadt und Verkehrswegen. Von den Hochgeschwindigkeitstrassen abgekoppelt und zugleich durch Einstellung vieler Nebenstrecken auch mit dem Rückzug der Deutschen Bahn in der Fläche konfrontiert, entwickelten die Stadt und Region Chemnitz ein erstaunliches Verkehrsprojekt mit dem Hauptbahnhof im Zentrum. Städtische Straßenbahnen wechseln dort nun auf revitalisierte Eisenbahntrassen, um die Region wieder an die Stadt mit ihren immerhin 247.000 Einwohnern anzubinden – ohne dass Verkehrsmittel gewechselt werden müssen. Eine gleiche Spurweite und hybride Antriebstechnologien machten technisch das „Chemnitzer Modell“ des Verkehrsverbundes Mittelsachsen möglich, der die dafür notwendige Öffnung zur Einfahrt der Straßenbahnen in den Bahnhof glücklicherweise auch als eine stadtgestalterische Herausforderung erkannte. (...)