hirschmuellerschmidt Architektur | Trainingsanlage LUNA, Köln, Deutschland

Die Astronaut:innen sind gelandet. Scharfes Licht, tiefe Schatten, Staub in der Luft, spezielle Gefährte rollen über das ungewohnte Gestein: willkommen auf dem Mond, nicht weit entfernt von Köln. Mit LUNA entsteht ein Raum für extraterrestrische Erprobung und Wissenstransfer. Ein Weltraumkörper auf der Erde, gebaut für die nächste Phase europäischer Exploration.
Nordrhein-Westfalen erzählt hier eine neue Geschichte. Aus der Nachbarschaft des Europäischen Astronautenzentrums wächst ein Technologiecampus, der das schwere industrielle Erbe nicht verdrängt, sondern in Forschung und Produktion der Zukunft überführt. LUNA wurde für die außerordentlich speziellen Ausbildungen, Tests und Entwicklung der kommenden ESAProjekte entwickelt. Die Anlage knüpft an vorhandene Kompetenzen an. DLR, ESA, Universitäten, Start-ups und Industrie teilen eine gemeinsame Plattform. Ziel ist es, Verfahren und Technik für Missionen zu prüfen, bevor sie auf dem Mond zum Einsatz kommen.

Architektur als Hardwarespiel
Der Bau besteht aus zwei Hauptteilen. Vorne das Technologiezentrum in konventioneller Massivbauweise mit Betonwänden beheimatet Werkstatt, Gaslabor, Staublabor, Vorbereitungsraum und Besuchsbereiche. Dahinter findet sich die Trainingshalle, ausgeführt mit Stahltragwerk und Faserverbundwänden. Zwischen den beiden Teilen liegt eine klare Schnittstelle, die Logistik und Sicherheit trennt und die Staubproblematik kontrollierbar hält. Der Hallenboden selbst ist aus Beton gegossen, darauf liegt die Bühne für die Mondanalogie: ein Stück Mond mitten in Nordrhein-Westfahlen auf 700 Quadratmeter Fläche und rund neun Metern Raumhöhe. Die simulierte Mondoberfläche besteht aus einer tiefen Zone, der Deep Floor Area, die um drei Meter abgesenkt ist und gekühlt werden kann. Hier lassen sich Bohr- und Grabungsszenarien aufbauen, inklusive gefrorener Schichten. Eine verstellbare Rampe ermöglicht sogar Versuche auf geneigtem Terrain.
Material als Simulation
Die Oberfläche in der Halle bildet eine 60 Zentimeter starke Regolithschicht aus Basaltkorn. Das Material stammt aus dem Rhein-Sieg-Kreis und ist in seinen chemischen und geotechnischen Eigenschaften den Mare-Proben der Apollo-Missionen angenähert. Eingestreut sind zudem Felsbrocken, Plexiglas-Volumina (als Eisanalogien) und sogar ein modellierter Lavatunnel für geophysikalische Messreihen. Die Oberfläche der Innenwände schafft die Stimmung, die das Training benötigt. Schwarze Umfassungen vermeiden Reflexionen. Ein Sonnensimulator erzeugt harte Kontraste wie in den Polarregionen. Um die geringe Schwerkraft des Mondes richtig zu simulieren, nimmt ein spezielles System mit Laufwagen und Seilen Astronaut: innen und Rovern fünf Sechstel ihres Gewichts ab. Bewegung, Schrittfolge, Bremsweg und Kipplast werden so realistisch erfahrbar. . .
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