INNOCAD: Wohnhaus C34, Graz – Urbanität schaffen

Rund um den grünen Innenhof zeigt sich der Wohnbau von seiner weichen Seite. Die Bewohner drücken dem coolen Haus mit ihren Einrichtungsgegenständen, Möbeln und Pflanzen einen lebendig vielfältigen Stempel auf | Photo Paul Ott

Rund um den grünen Innenhof zeigt sich der Wohnbau von seiner weichen Seite. Die Bewohner drücken dem coolen Haus mit ihren Einrichtungsgegenständen, Möbeln und Pflanzen einen lebendig vielfältigen Stempel auf | Photo Paul Ott

Ein kantiger, klarer, eleganter Wohnbau befördert die beschauliche Stimmung eines biederen Grazer Wohnbezirks in Richtung coole Urbanität. Innovative Wohnungstypen und avanciertes Design sind für INNOCAD zwei Seiten der gleichen Medaille.

Herz und Hirn 

Vom hippen New Yorker Designmagazin contract wurde INNOCAD-Gründer Martin Lesjak kürzlich zum „Designer of the Year 2015“ gekürt – samt Coverstory in der Januar-Ausgabe. Das ist nicht nur ein großartiger Erfolg für die österreichische Designszene, die international nicht immer in der vordersten Reihe der Aufmerksamkeit stand, sondern weist auch auf eine zentrale Ambition der Architekten hin: Neben der Planung und Realisierung innovativer Raum- und Funktionsprogramme ist es stets auch höchster gestalterischer Ehrgeiz, der dieses Büro antreibt. Vielleicht hat dies auch etwas mit der radikalen Tradition der sogenannten Grazer Schule zu tun, die im stetig wachsenden Oeuvre von INNOCAD auf eine zeitgemäße Weise umgedeutet wird. Waren die frühen Eruptionen eines Domenig, Kada oder Giencke noch expressionistischen und neomodernen Ideen verpflichtet, so spielt der aktuelle Nachklang eine ganz andere Melodie. Konsequenz und Mut zur Grenzerweiterung sind auch für INNOCAD selbstverständlich, aber die Bauformen und Raumfolgen sind viel gelassener, großzügig, generisch und lapidar statt verstört und aufgeregt, die Materialien und Farben cool, frech und intelligent kombiniert statt bloß technoid. Das „Superdutch“-Vorbild ist deutlicher spürbar als allfällige Graz-Bezüge. INNOCAD haben so neue Bautypen und – als Developer – auch neue Berufsbilder für Architekten entwickelt, etwa in ihrem spektakulären „Golden Nugget“ (architektur.aktuell 12/2005). Mehrere aufsehenerregende Corporate Interiors und Messeauftritte führten sie in die Welt globaler Konzerne. Und sie haben ihre gestalterische Leidenschaft konsequent marktfähig gemacht: Dafür gründeten sie das Designunternehmen 13&9, das mit Lampen, Sitzmöbeln, Schmuck- und Accessoire-Kollektionen nun global reüssiert – siehe den oben genannten US-Award. Das INNOCAD-Motto „work with your brain and act from your heart“ beschreibt ihre Arbeitsweise gut.

Die Stadt braucht Wohnraum 

Spannung verspricht nun die Anwendung des ambitionierten Wahlspruchs in den Mühen der Ebene – beim geförderten Wohnbau. Mit der „Rose am Lend“ und dem „Flur 20“ haben INNOCAD sich bereits intensiv mit urbanen Wohnfunktionen beschäftigt. Bei einem Umbauprojekt für den Pfarrhof in Bruck an der Mur konnte man produktiv mit der Diözese Graz-Seckau zusammenarbeiten. (...)

Vollständiger Artiekel in Heft 6/2015