Alles gleichzeitig unter einem Dach gestapelt

Karl und Bremhorst Architekten | Sport Arena Wien, Wien, Österreich

Mit der Sport Arena Wien entstand anstelle des abgerissenen Ferry- Dusika-Hallenstadions ein Neubau von Karl und Bremhorst Architekten: drei gestapelte Hallen, ausgelegt auf Training und Veranstaltungen. Was bedeuten Multifunktionalität und Flexibilität hier – als räumliche Idee, als Betriebsprinzip, als Angebot für die Öffentlichkeit?

Inszenierter Rückbau

Bevor der Neubau entstehen konnte, musste zuerst eine alte Idee gehen: Die bestehende Rundhalle war zu wenig ausgelastet, eine grundlegende Sanierung der maroden Struktur galt als zu teuer – 50 Jahre nach Baubeginn wurde 2021 der Abriss des Ferry-Dusika- Stadions beschlossen. In seiner letzten Phase wurde das Gebäude im Sinne von Urban Mining als Rohstofflager genutzt. Bauteile und Materialien wurden ausgebaut und verwertet. Einzelne Elemente wie die Sitze des Stadions wurden zum Verkauf angeboten. Ein Großteil der Baurestmassen wurde als Schüttmaterial wiederverwendet, um den Boden für die neue Arena zu stabilisieren. Während am Ort abgetragen wurde, entstand um ihn andernorts ein Spektakel. Der Abriss wurde nicht nur dokumentiert, sondern online in Videos inszeniert – besonders die Absenkung des Daches als bildstarker Moment. Rückbau wurde so zu einem konsumierbaren Event, eine städtebauliche Entscheidung zu Entertainment.

Ein Skelettbau mit großem Tragwerksraster ermöglicht die Stapelung der Hallen und prägt die Konstruktion vom Rohbau bis zur fertigen Fassade.

Sport weicht Sport

In der Sport Arena Wien zeigt sich ein simultaner Alltag: Während Turner:innen sich auf Balken recken, tanzt nebenan eine Gruppe ihre Choreografie, daneben spielen Jugendliche Basketball. Darüber wird auf Bahnen gesprintet; im Cardiobereich wird in die Ergometer getreten, durch den kleineren Gymnastikraum bewegen sich Kleinkinder in Begleitung ihrer Eltern. Alles parallel: Basketball, Handball und Volleyball neben Badminton, oben Sprints, Sprünge und Würfe in der Leichtathletik, daneben Kunstturnen am Boden und an Geräten. Breitensport findet neben Vereinssport und Profisport statt. Das Gebäude lässt sich wie eine kleine Expedition durch unterschiedliche Trainingswelten lesen. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Zufall, sondern Konzept: drei Hallen, aufeinander gestapelt und unabhängig voneinander funktionierend. Unten liegt die Ballsporthalle, im Training in bis zu vier Felder teilbar. Für Großevents verwandelt sie sich durch ausfahrbare Tribünen in eine Arena für bis zu 3.000 Personen. Daneben die Kunstturnhalle mit einer Galerie als Zuschauer: innenebene, darüber die Leichtathletikhalle ebenfalls mit einer Plattform, die Ausblicke ermöglicht. Konstruktiv wird diese Stapelung durch einen klaren Skelettbau getragen. Die Leitgedanken von Schichtung und Transparenz übersetzen sich in ein Tragwerk, das Wände zugunsten von Stützen und Trägern auflöst und so Durchlässigkeit ermöglicht. Ein durchgängiges Raster mit 13,5 Metern Stützenabstand strukturiert alle Ebenen. Unterschiedliche Hallenhöhen und Spannweiten werden in dieser Logik überlagert. Raumhohe, um 90 Grad gedrehte Fachwerke im Geschoss über der Kunstturnhalle sichern dabei im Erdgeschoss die durchgehende Höhe von Foyer und Halle, ohne zusätzliche Gebäudehöhe erzeugen zu müssen. . .

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