Krebs und Herde La.Arch. + PARK ARCH + Dr. Neven Kostic | Koch-Park, Zürich, Schweiz

Entlang des Gleisbettes steht eine ehemalige Kohlenlagerhalle als Zeitzeugin vergangener Geschichte leicht schief in der orthogonalen Straßenführung des Koch-Quartiers Zürich. Drumherum wuchert ein wilder Stadtgarten, der, im Rahmen der dialogischen Planung von Krebs und Herde La.Arch. + PARK ARCH + Dr. Neven Kostic, zusammen mit der gedeckten Halle und einer freien Wiese eine Einladung zur räumlichen Partizipation ausspricht.
Im Zuge der Sanierung des ehemaligen Umschlagplatzes der Kohle und Heizöl Koch AG und der umliegenden Brache hat die Grün Stadt Zürich als Auftraggeberin zusammen mit den Planer:innen das historische Areal mittels eines explorativen Entwurfs und dem Re-Use von Bestand in ein neues Zeitalter überführt – mit einem Park, der das Zentrum des genossenschaftlichen Wohn- und Gewerbequartiers Koch bildet. Die Parkanlage gliedert sich in drei Typologien: Neben der gedeckten Freifläche unter dem Dach der ehemaligen Kohlenlagerhalle finden sich eine quer zu dieser stehende Parkwiese mit schattenspendendem Baumbestand und umlaufender Esplanade und schließlich der dicht wachsende „Jardin Sauvage“. Das Gleisbett, das einst dem Kohle- und Heizölvertrieb zur Anlieferung diente und die Kohlenhalle entlang ihrer Längs- und Querseite in kreisförmigen Linien touchierte, zeichnen die Planer:innen weiter. Sie gliedern dadurch die brachliegende Fläche in verschiedene Grünzonen und Passagen, die bildlich den längs stehenden Hallenbau durchströmen.

Dialog der Hallen
Die Halle trägt auf ihrer Rahmenkonstruktion – einem Sprengwerk auf drei Stützenreihen – ein Satteldach mit Obergaden. Es ist eine kühne Konstruktion von 1926, wie die Denkmalpflegekommission festgehalten hat. Mit einem nicht minder kühnen Raumtragwerk aus Schwarzstahl ergänzten die Planer:innen ihrerseits die bestehende Halle um einen Anbau von besonderer Spannweite und trugen dazu eine dem historischen Holzbau später hinzugefügte Struktur ab. Es entstand ein Ersatzneubau, der die fast hundertjährige und von zahlreichen baulichen Verschiebungen gezeichnete Geschichte der Halle durch ein neuerliches Zeitfragment markiert. Die Geschichte des Areals wird nicht ausgelöscht, sondern steht im Dialog zum Neuen. Die Druck- und Zugstäbe, die die Planer:innen zur Ertüchtigung und damit zum Erhalt der bestehenden Struktur implementierten, sind rot lackiert, genauso wie die des Neubaus. Gedeckt wurde das Dach über Alt- und Neubau in rotem Bestandsziegel und seinem gläsernen Pendant, um in kreisförmigen Ausschnitten Licht in die Halle strömen zu lassen, was dem Empfinden von Außenraum eine lustvolle Überhöhung gibt. Zwei voneinander verschiedene Räume sind entstanden: die zweischiffige, von Holzstützen gesäumte Bestandshalle, die teilweise um zwei Trittstufen tiefer liegt, und ein überdachter Platz, dessen Konstruktion sich über weite Spannweiten lediglich auf vier rahmende Stahlstützen aufsetzt. Die bei Regen geschützte, bei Kälte windgeschützt gerahmte und bei Hitze schattenspendende Außenfläche bleibt in ihrem Programm durch die Planer:innen unbestimmt. Es obliegt den Nutzer:innen, ihr Potenzial in temporären und permanenten Bespielung zu interpretieren.
Natur als aktive Gestaltungsparameter
Die Gestaltung durch die Planer:innen ist einem Material- Reservoir entlehnt, das im Zuge der Abtragung von nichterhaltenswerten Bauteilen entstand. So wird die Wegführung durch die Wildgärten von Totholzhabitaten – gestapeltem, geschnittenem Baumholz – flankiert sowie durch aufrecht gestellte Betonbruchsteine der abgetragenen Bodenplatte. Dazwischen marode Dachziegel. Die Planer:innen orientierten sich in ihrer Gestaltung an Vorbildern aus der Natur und kultivieren eine Biodiversität heimischer Wildtiere und Wildpflanzen, die entlang von Trockenmauern, Sukzessionsfluren, Pionierwäldern, Staudensäumen und Sickerfluren emporklettern und keimen dürfen. Das Gleisbett hingegen wurde barrierefrei ausbetoniert. Entlang aufgeschütteter, großzügiger Durchwegungen aus Kies bietet sich eine Sitzlandschaft aus Betonfindlingen zum Verweilen an. Flora und Fauna werden als partizipative Gestaltungsparameter gelesen, ebenso wie der Regen. Das Wasser, das bei Regen in ungeheuren Mengen entlang der Dachkante in Rinnen geführt wird, fällt in plätschernden Strömen in steinerne Sickertöpfe. Die Planer:innen entwickelten prototypisch für dieses Vorhaben aus abgetragenen Betonsteinen und porösem Mörtel mit Dachziegelstücken drei unterschiedliche Typen, die die Regenwasserkreisläufe entlang des Areals erlebbar machen: Sickertopf, Schwitzender Stein und Regenwasserbrunnen. . .
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