Krekeler Architekten | Forster Museum für Textil und Industriegeschichte

Nach drei Jahrzehnten Stillstand wurde das Forster Museum für Textil und Industriegeschichte in Lausitz (Brandenburg) nicht nur baulich erneuert, sondern auch inhaltlich neu gefasst. Die ehemalige Tuchfabrik der Familie Noack ist heute wieder als Ensemble lesbar und übernimmt eine neue Rolle im kulturellen Gefüge der Stadt. Der Umbau versteht sich weniger als museale Inszenierung denn als präzise Weiterarbeit am Bestand. Architektur wird hier zum ordnenden Rahmen für Geschichte, Nutzung und Bewegung.
Fotos: Gregor Schmidt
Ein Ensemble wird neu gelesen
Forst entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum der Textilindustrie. Rund 200 Tuchfabriken prägten Stadt und Region. Die Fabrikanlage der Familie Noack entstand 1896 und wurde nach mehreren Eigentümer:innenwechseln 1993 von der Stadt erworben. Bereits damals erfolgte eine erste Umnutzung zum Museum. Mit der aktuellen Sanierung wurde das gesamte Areal neu gedacht. Ziel war es, den heterogenen Gebäudebestand zu ordnen und einen durchgängigen Museumsrundgang über Erd und Obergeschoss zu entwickeln. Die Architekt:innen beschreiben den Ausgangspunkt so: Man habe zunächst den gesamten Komplex konzeptionell weiterentwickelt, um innerhalb des Bestands ein schlüssiges Erschließungssystem zu formulieren und zugleich kuratorische Anforderungen zu integrieren.
Städtebaulich stand die Wiederherstellung des Hofcharakters im Mittelpunkt. Kriegsschäden hatten das Ensemble fragmentiert. Der Neubau anstelle des zerstörten Lagerhauses schließt diese Lücke und stellt den ehemals dreiseitig gefassten Hof wieder her. Zugleich wurden spätere Garagenbauten und technische Einbauten entfernt, um dem Ort Großzügigkeit zurückzugeben.

Struktur versus Ornament
Die neuen Fassaden greifen das industrielle Erbe auf, ohne es zu imitieren. Während der Bestand durch Gesimse, Wandvorlagen und farbliche Akzente gegliedert ist, setzen die Ergänzungen auf eine flächige Rasterstruktur. Vor und Rücksprünge einzelner Ziegel erzeugen eine textile Anmutung, die an Gewebe erinnert. Die Architekt:innen verweisen auf Musterbücher der ehemaligen Tuchfabrik als Inspirationsquelle. Entscheidend war jedoch die bewusste Abstraktion. Ornament wird durch Struktur ersetzt. Die Fassaden sollen die Nutzungsänderung vom Industriebau zum Museum lesbar machen, ohne sich vom Bestand abzusetzen.
In aufgestockten Bereichen wird die Ziegelfassade als Filtermauerwerk ausgeführt. Licht dringt gefiltert in die dahinterliegenden Räume und verstärkt den homogenen Gesamteindruck des Ensembles. Alt und Neu fügen sich so zu einer ruhigen Einheit.

Eine Fabrik wird Museum
Der Neubau nimmt neben dem Foyer die historische Lokomotive Schwarze Jule auf, das letzte erhaltene Fahrzeug der Forster Stadteisenbahn. Neue Gleise führen vom Eingang bis in den Hof und leiten Besucher:innen durch das Areal. Auch im Inneren erforderte die Umnutzung tiefgreifende Eingriffe. Tragwerke wurden ertüchtigt, Decken verstärkt, Aufzüge und Fluchttreppen ergänzt. Gleichzeitig blieb der industrielle Charakter spürbar. Sichtbare Konstruktionen, offene Technik und historische Fenster prägen insbesondere den neuen Veranstaltungssaal im Obergeschoss.
